Dienstag, 20. April 2010

Concordia und der Siegesrausch

Delitzsch. 223:187 Tore, 14:0 Punkte – oder auch sieben Spiele, sieben Siege. Die sportliche Bilanz von Concordia Delitzsch im März und April ist ebenso makellos wie beeindruckend und damit das genaue Gegenteil der prekären finanziellen Lage. Der frühlingshafte Triumphzug spülte die Loberstädter auf Rang fünf der Tabelle der 2. Handball-Bundesliga.
Zeitreise: Concordia im Dezember 2009. Aus vier Spielen holte das Team nur einen einzigen Punkt. „Die Mannschaft war fest, wir mussten die Köpfe frei kriegen“, sagt Trainer Uwe Jungandreas zurückblickend. Zwar hatten die Delitzscher nach der Hinrunde die drittbeste Abwehr der Liga, dümpelten aber im Mittelfeld der Tabelle herum. Der Handballlehrer reagierte, stellte das Training um. Setzte neue Reize, wie er es ausdrückt. Details bleiben Verschlusssache, sind auch zweitrangig. Der Erfolg gibt Jungandreas Recht.
Der ergriff angesichts der eigentlich stabilen Defensive eine ungewöhnliche Maßnahme, er baute die Verteidigung um. „Ich war mit dem Konterspiel unzufrieden. Drei oder vier Tore pro Partie nach schnellen Gegenstößen waren einfach zu wenig.“ Mittlerweile sind es zwischen acht und neun pro Begegnung. Die neu erarbeitete 3-2-1-Abwehr funktioniert prächtig, brachte vor gut einer Woche die Riesen des Bergischen HC mit zwölf Toren zu Fall.
Auch am vergangenen Freitag in Frankfurt habe seine Mannschaft den Gegner in Halbzeit zwei im Griff gehabt, erzählt Jungandreas. „Da waren wir schon mit sechs Toren weg, haben dem Gegner aber mit leichten Fehlern wieder ins Spiel geholfen, so dass es hinten raus nochmal eng wurde.“ Und doch reichte es zum 35:32-Sieg. Die Serie besteht also weiter. Und bringt den Delitzscher Trainer überhaupt nicht aus der Fassung: „Solch einen Lauf gab es bei uns ja auch schon in anderen Spielzeiten, nur damals beruhte er mehr auf einer großen Euphorie, heute auf der Qualität der Mannschaft.“
Die scheint nach der mäßigen Hinrunde enger zusammen gewachsen als je zuvor. Und die nicht enden wollende Finanzkrise à la Concordia hat offensichtlich eine sportliche Trotzreaktion sondergleichen hervorgerufen. Im gesamten Jahr 2010 setzte es in elf Partien erst zwei Punktspielniederlagen. Da fühlt sich natürlich ein akribischer Taktikfuchs wie Jungandreas in seinem Wirken bestätigt. „Ich freue mich, dass wir gewinnen und dazu noch einen guten Handball spielen.“
Dabei stand diese Saison eigentlich unter dem Motto: Einspielen für’s nächste Jahr. Scheinbar reichte zum Einspielen schon die Hinserie aus und was in der kommenden Spielzeit passiert, weiß momentan ohnehin noch niemand. „Bis dahin fließt noch viel Wasser den Lober herunter“, sagt Uwe Jungandreas, der weiß, dass nicht nur in Delitzsch das nächste Spiel immer das schwerste ist.
In diesem Fall besucht am Sonnabend der Tabellendritte aus Hüttenberg das hiesige Kultur- und Sportzentrum. Über die Vorbereitung äußert sich der Concordia-Coach bekanntermaßen nebulös. „Wir werden uns im Training, die Dinge, die nötig sind, erarbeiten und uns ganz genau auf den Gegner einstellen.“ Mit einem Sieg könnte Concordia übrigens bis auf zwei Punkte (bei allerdings einem Spiel mehr) an die Gäste heranrücken. Aber nach oben gucken verbietet sich in der derzeitigen Situation irgendwie. Oder vielleicht doch nicht?
Johannes David, Leipziger Volkszeitung vom 20. April 2010

Freitag, 16. April 2010

HSG Frankfurt RM - Concordia 32:35 (14:14)

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Concordia mit dem Glück des Tüchtigen
2. Handball-Bundesliga: Jungandreas-Truppe zieht den Gastgebern mit zahlreichen Tempogegenstößen den Nerv Delitzsch/Kriftel. Die Mannschaft der Stunde ist nicht aufzuhalten: Concordia Delitzsch entführte vor 750 Zuschauern mit einem 35:32-Sieg die Punkte aus der Krifteler Kreissporthalle und schaffte damit den siebten Sieg in Folge in der 2. Handball-Bundesliga Süd. Die HSG Frankfurt Rhein-Main war zwar nah dran, diese Serie zu brechen, letztendlich jedoch zu dünn besetzt, um die Partie noch zu drehen. Symptomatisch für das Spiel war die Entstehung des entscheidenden Treffers: Die Gastgeber hatten sich bis 100 Sekunden vor Schluss auf 31:33 herangekämpft und zwei Spieler mehr auf dem Platz. So kam Ulrich Streitenberger, kleinster Akteur auf dem Feld, aus dem linken Rückraum nur in starker Bedrängnis zum Wurf, jedoch flutschte der Ball zwischen dem kurzen Pfosten und Torhüter Mathias Beer ins Netz. „In unserer Situation hast Du auch mal Glück“, kommentierte der Delitzscher Trainer Uwe Jungandreas, „das gehört aber dazu, und Glück hat nur der Tüchtige. Und tüchtig sind wir im Moment“. Sogar im Fan-Vergleich konnten die Hessen den Gästen nichts anhaben. Dem obligatorischem Fahnenlauf während einer Auszeit rund um das Spielfeld schloss sich spontan ein älterer Delitzscher Fan mit der Concordia-Flagge an und erntete dafür den aufmunternden Applaus der HSG-Anhänger. „Toll, dass die Fans bis hierher mitgefahren sind und uns angefeuert haben“, bedankte sich Jungandreas. Die Reaktion der Mannschaft auf die Unterstützung der treuen Schlachtenbummler war eine – bis auf die Anfangsminuten – starke Vorstellung. Den 0:3-Fehlstart hatte der Tabellenfünfte schnell wettgemacht. Überhaupt waren die Sachsen gewohnt schnell auf den Beinen. „Wir wollten sie ins Positionsspiel rein zwingen – das ist uns in keinster Weise gelungen“, kritisierte Frankfurts Trainer Thorsten Schmid. Der ehemalige Erstligist konnte dank vieler Ballgewinne in der 3:2:1-Deckung sein gefürchtetes Überlaufspiel aufziehen. „Die Kontertore waren ausschlaggebend“, meinte Jungandreas. Bis zur Pause hielten der starke HSG-Kreisläufer Fabian Bohnert und Torwart Michael Rebstock (acht Paraden) die Gastgeber, die auf den verletzten Ex-Delitzscher Hannes Lindt und den früh ausgeschiedenen Ex-Nationalspieler Steffen Weber verzichten mussten, noch im Spiel (14:14). Jedoch gelang Delitzsch in den Anfangsminuten nach dem Wechsel der entscheidende Vorstoß: Erst war Rückraumspieler Martin Hummel kaum zu bremsen, danach setzten die Sachsen noch mehrere Tempogegenstöße bis zum 25:19 (42.) drauf. „Wir haben das Selbstvertrauen, dann klappen auch Dinge, die sonst nicht gelingen“, resümierte Jungandreas. Für die Concordia kein Grund, überzuschnappen: „Auf den Relegationsrang“, so der Trainer, „schielen wir nicht“.
Leipziger Volkszeitung vom 19.04.2010, von Johannes Heil

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Concordia: Pulay (12 Paraden), Bliß (n.e.); Hummel (8), Streitenberger (8/2), Boese (7), Riehn (3/2), Oehlrich (2), Warmuth (2), Tellehuz (1), Jacob (1), Müller (n.e.), Akatsuka, Pietzsch.

Frankfurt: Rebstock , Beer ; Bohnert (7), Bonnkirch (2), Buschsieper (2), Hahn (6/3), Immel (3), Quilitzsch (1), Schimmelbauer, Seeger (3), Weber (2), Wernig (1), Plattner (5).

Zeitstrafen: Frankfurt 5x2 Minuten (1x Bohnert, Immel, Seeger, Plattner und Hahn) ; Concordia 7x2 Minuten (2x Pietzsch und Oehlrich, 1x Hummel, Warmuth und Telehuz).

Siebenmeter: Frankfurt 3/3 ; Concordia 7/4 (Streitenberger scheitert zweimal an Rebstock, Riehn scheitert an Beer).

Zuschauer: 500.
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Donnerstag, 15. April 2010

Plakataktion zur Rettung des Delitzscher Bundesliga-Handballs

Auch Publikumsliebling Uli Streitenberger sowie die Druckerei Edelmann unterstützen die Aktion zur Rettung des Delitzscher Bundesliga-Handballs. Unsere Nummer 6 hat gemeinsam mit dem treuen Concordia-Sponsor Plakate entworfen, die demnächst in der Region zu sehen sein werden. Danke!

Hier schon mal ein Vorgeschmack:

Dienstag, 13. April 2010

+++ Newsflash +++

Und da ist er wieder, unser beliebter Newsflash. Viel Spaß!
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#1
Wir sind Sechster, vor Erlangen und hinter Neuhausen. Nach Minuspunkten gerechnet haben wir einen Punkt Vorsprung von der HG, sind jedoch punktgleich mit Neuhausen. Nur die (deutlich) schlechtere Tordifferenz macht den Unterschied aus. Können wir noch höher klettern? Sicher können wir das, entscheidend hierfür wird das vorletzte Punktspiel dieser Saison am 15. Mai in Neuhausen werden. Hier geht es zur umfangreichen Tabelle.
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#2
Wem die 60 Fotos vom Spiel gegen den Bergischen HC nicht genug waren, hier gibt es die letzten fünfeinhalb Minuten zu sehen. Wir sehen Tore von Boese, Müller und Akatsuka. Und... selbstredend einige Pulay-Paraden.
Ach, und wer war doch gleich der Spielballsponsor? Richtig, Jens Teresniak, der Fanpagefotograf!
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#3
Martin Hummel spielte früher bei der SG Solingen. Wusstet ihr das? Wir auch nicht, aber Handball-World weiß es. Checkt den Fehler im Mini-Bericht.
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#4
Hier ein kleiner LVZ-Artikel mit dem Titel "Spendenwelle für Concordia rollt weiter":
Delitzsch (pfü). Der SV Concordia Delitzsch will mit einer Spenden-Aktion den Bundesliga-Handball für die Region retten. Um die Qualifikation für die eingleisige zweite Bundesliga nach der Saison 2010/11 abzusichern, fehlen 300000 Euro (wir berichteten). Fans, Freunde und Sympathisanten sind aufgerufen, sich finanziell zu beteiligen. Die Aktion steht unter dem Motto: 100 Euro zum 100. Geburtstag. Und der wird am 10. Mai gefeiert.
Der 1. Golfclub Leipzig feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Es war der erste Golfclub in den neuen Ländern. Der Club ist in der Dübener Heide zu Hause und hat seinen Platz von Noitzscher Heide in Dübener Heide umbenannt. Auch die Golfer unterstützen Concordia. „Wir sind der Auffassung, dass Sport und Vereinsarbeit in der Gesellschaft ein hohes Gut sind. Besonders Ballspiele, egal wie groß die Bälle sind, finden wir geeignet, um Team- und Charakterbildung zu fördern. Tradition muss überleben, wir wünschen Concordia alles Gute und unterstützen diese Initiative sehr gerne“, sagte gestern Knut Göbel, der Präsident vom 1. Golfclub Leipzig.
Concordia nannte weitere Namen von Unterstützern: Bernd Willingshofer, Manfred Kuschel, Carmen Schmidt, Achim Hühnerbein, Christian Melzer, Regina Radenz und Michael Otto, Helmut Collin, Dirk Wölki, EHV Aue, Rainer Krotki, Stephan Collin, Gerhard Wölki, Jürgen Greiser, Concordia Fanclub Loberhaie, Marion und Steffen Seifert, Paul Knott, Katrin und Frank Schade, Regine Krippner, Rita und Dieter Sommerlatte, Monika Koch, Endress Doberschütz GmbH, E. und H. Schmidtmeier, Dirk Köpnick Pick up der Jeansladen.
Leipziger Volkszeitung vom 13. April 2010
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#5
Ihr möchtet euch auch zu den vielen Spendern gesellen? Hier sind die Daten: Bankverbindung: CSG Concordia Delitzsch, Kontonummer 2280023183, Bankleitzahl 86055592, Sparkasse Leipzig; Ansprechpartner im Verein: Christine Borrmann (Präsidentin); Volker Schmidt (Geschäftsführer), Ronald Rosenkranz (Geschäftsstellenleiter), Telefonnummer 034202/32127, E-Mail: ronald.rosenkranz@concordia-delitzsch.de
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#6
Unsere B-Jugend hat ihr erstes Spiel um die Süddeutsche Meisterschaft absolviert; und gewonnen. In Konstanz erreichte man ein 32:24. Am übernächsten Wochenende finden zwei Heimspiele statt. Hier die Ansetzungen:
24.04.2010 um 15.00 Uhr im KSZ: Concordia Delitzsch - HSG Konstanz
25.04.2010 um 14.00 Uhr im KSZ: Concordia Delitzsch - SG BBM Bietigheim
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Da die erste Herrenmannschaft am Samstag Abend ebenfalls ein Heimspiel absolviert, einfach etwas früher in die Halle kommen und unsere Jugend anfeuern!
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#7
Zuletzt möchten wir noch auf unseren lieben Besucherzähler hinweisen; dieser bewegt sich nämlich allmählig auf die 100.000 zu. In den letzten Tagen waren die Zahlen so hoch wie seit den Erstligazeiten nicht mehr. Danke dafür!

Montag, 12. April 2010

Die Spielberichte

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Ein Delitzscher Handballfest
Delitzsch. Da frohlockte nicht nur das Phrasenschwein: Ein wahres Handballfeuerwerk brannte Concordia Delitzsch am Sonnabend gegen den Tabellenzweiten ab. 36:24 (16:14) besiegte die Truppe von Trainer Uwe Jungandreas den Bergischen HC – der nun schon sechste Erfolg in Serie in der zweiten Bundesliga.

Trotz der, speziell in der zweiten Halbzeit, sensationellen Vorstellung von Concordia dauerte es bis zur anschließenden Pressekonferenz, dass über das Gesicht des gestrengen Delitzscher Übungsleiters ein Lächeln huschte. Und er hatte allen Grund zur Freude, perfekt war seine Mannschaft auf die Riesen des HC eingestellt. Aggressiv in der Verteidigung und mit Durchschlagskraft in der Offensive, wo der überragende Martin Hummel nicht nur elf Treffer erzielte, sondern auch als Vorbereiter glänzte.
„Wir haben uns immer weiter in einen Rausch gespielt, während der HC verkrampfte“, beschrieb Jungandreas hinterher das Geschehen. Sein Gegenüber Hans-Dieter Schmitz ergänzte passend: „Wir haben vorne völlig den Kopf verloren, trotz einiger erfahrener Leute.“
Denn was in den zweiten 30 Minuten passierte, hatten selbst kühnste Optimisten wohl nicht zu träumen gewagt. Bezeichnend für die Partie eine Szene aus der Minute 44, als Hummel sich gegen zwei Gästespieler durchsetzte, im Gewühl auf Thomas Oehlrich durchsteckte, der unter größter Bedrängnis im Fallen den Ball unter Einbeziehung des Innenpfostens im Gehäuse unterbrachte. So gut der Ball über weite Strecken im Angriff lief, so exzellent verteidigten die Delitzscher. Und entnervten den Gegner. Rückraum-Ass Jiri Vitek etwa erzielte nur ein einziges Tor. Entsprechend stolz war Defensivspezialist Alexander Pietzsch hinterher. „Ich denke, wir haben heute ein ganz schönes Feuer abgebrannt. Hut ab vor der ganzen Mannschaft!“
Selbigen musste man auch vor Torhüter Gabor Pulay ziehen, der zwei Siebenmeter parierte und da war, als es darauf ankam. Etwa, als sich die Hausherren kurz vor und nach der Pause in Unterzahl eine ganz kurze Schwächephase leisteten. Bis auf Kenneth Klev und Jens-Peter Reinarz, die beide acht Tore erzielten, erreichte kein einziger Gästespieler auch nur annähernd Normalform. Als Klev dann eine Viertelstunde vor dem Abpfiff eine Zwei-Minuten-Strafe absitzen musste, gab es kein Halten mehr. Der HC traf teilweise minutenlang nicht und Concordia zog auf und davon.
„Wir mussten lange warten, bis wir mal so klar gewinnen“, sagte Jungandreas hinterher. Das merkte man auch den Zuschauern an, denn schon drei Minuten vor dem Ende erhoben sich alle von ihren Plätzen und ließen den Abpfiff im Jubel untergehen – fehlte eigentlich nur noch die Verneigung vor der Leistung des Teams.
Johannes David, Leipziger Volkszeitung vom 12. April 2010
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Frustrierender 22 Stunden-Ausflug
Harmlos im Angriff und zu langsam in der Abwehr präsentierte sich der Bergische HC bei Concordia Delitzsch. Das 24:36 (14:16) bedeutete die höchste Niederlage dieser Saison des wieder auf Tabellenplatz vier abgerutschten Zweitligisten.
Ha De Schmitz steht nah am Kampfgericht und mustert die voll besetzte Mannschaftsbank. Der Chefcoach des Bergischen HC runzelt die Stirn, greift sich mit der rechten Hand ans Kinn. In Denkerpose geht Schmitz ruhigen Schrittes die Bank ab, schaut jedem seiner Ersatzspieler in die Augen. Er spürt, dass er handeln muss.
Es ist der Zeitpunkt, an dem dem Handball-Zweitligisten das Spiel bei Concordia Delitzsch aus den Händen gleitet. Nach der vergebenen Chance, bei einem Tempogegenstoß zum 20:21 zu verkürzen (39. / Tim Henkel), lassen die Löwen den Tabellensechsten nach Toren von Martin Hummel und Thomas Oehlrich abermals auf vier Treffer davonziehen. Jens Reinarz (20:23) und Kristoffer Moen (21:24) setzen anschließend mit ihren Einzelaktionen die letzten Lebenszeichen des Aufstiegsaspiranten, der in den verbleibenden 18 Minuten den Ansprüchen nicht mehr gerecht wird.
Die Einwechslungen von Simon Kluge für Tim Henkel sowie Christian Hoße für Jens Reinarz auf den Außenpositionen verpufften, weil die Baustellen im Angriffsspiel der Bergischen woanders lagen. Jiri Vitek hatte im rechten Rückraum gegen die offensive Delitzscher Deckung einen schweren Stand und war nahezu die kompletten 60 Minuten abgemeldet. Nach zwei Fehlversuchen in der Anfangsphase probierte es der Tscheche erstmals wieder in der 48. Minute – das 22:28 blieb sein einziger Treffer. Auf der anderen Seite war der achtfache Torschütze Kenneth Klev zwar deutlich erfolgreicher, doch als seine Wirkungskreise mit einer einfachen Verschiebung in der gegnerischen Abwehr eingeengt waren, war die zweite BHC-Niederlage in diesem Jahr besiegelt.
Die Bergischen waren völlig von der Rolle. Der Abwehr, sonst die Lebensversicherung des wieder auf Tabellenplatz vier abgerutschten Zweitligisten, fehlte die Frische, um das Delitzscher Kombinationsspiel zu stören. Dabei stellte der flinke Martin Hummel den Innenblock um Klev, Vitek, Aschenbroich und Duin (beziehungsweise Moen) vor unlösbare Probleme. Dass er die BHC-Schlussleute Mario Huhnstock und Jan Stochl (bereits in der 10. Minute eingewechselt) bei fünf seiner elf Treffer tunnelte, passte in das Bild des frustrierenden 22 Stunden-Ausflugs.
Ein anderes Indiz für die bergische Harmlosigkeit war die Zahl der Paraden von Concordia-Keeper Gabor Pulay im zweiten Abschnitt: Nur vier Bälle hatte der Ungar bei zehn BHC-Treffern abzuwehren. Die weiteren Versuche – wenn es aufgrund der hohen Zahl an Technischen Fehler überhaupt zum Wurf kam – wurden abgeblockt oder waren so unpräzise, so dass Gabor Pulay aufgrund fehlender Herausforderungen einen fast schon gelangweilten Eindruck hinterließ.
Guido Radtke, Rheinische Post vom 12. April 2010