Samstag, 9. Februar 2019

USV Halle - NHV 28:30 (17:14)

NHV holt in Halle wichtige Punkte im Abstiegskampf

Den Auftakt gewann Delitzsch. Als der Hallensprecher vor der Begegnung in der Handball- Oberliga zwischen dem USV Halle und dem NHV Concordia erst die Gäste-Fans und dann die heimischen Anhänger begrüßte, gab es auf beiden Seiten einen kräftigen Trommelwirbel. Klarer Sieger war, gemessen an der Lautstärke, hier Delitzsch. Ein gutes Omen: Die Nordsachsen setzten sich in der Saalestadt nach einem spannenden Spiel mit 30:28 (14:17) Toren durch und sicherten sich im Kampf um den Klassenerhalt mit nunmehr 16:22 Punkten die beiden Zähler. Über einen „wichtigen Erfolg in diesem Vier-Punkte-Spiel“ freute sich Lucas Mittag. Denn damit ist Halle (13:23) – das Team hat eine Begegnung weniger – nun auch nach Minuspunkten überholt worden.
 
Ungünstige Vorzeichen
 
Dabei waren die Vorzeichen für die Nordsachsen alles andere als günstig. Mateusz Wolski war erkrankt und fehlte, Top-Torjäger Frank Grohmann half zwar beim Warmmachen, nahm aber anschließend auf der Trainerbank Platz. Eine Rückenverletzung verhinderte den Einsatz. „Sein Ausfall war nicht zu unserem Nachteil“, meinte USV-Keeper Franz Flemming, der in der vorigen Saison noch für die Delitzscher Farben aufgelaufen war. „Ich habe der Mannschaft gesagt, dass wir die Tore von Grohmann auf andere Schultern verteilen müssen“, berichtete Concordia-Trainer Wladimir Maltsev. „Jungs, seid froh, dass Frank nicht dabei ist, dann können wir anderen ein paar Tore mehr erzielen“, appellierte Danny Trodler mit scherzhaftem Unterton an seine Mitspieler.
 
Altmeister geht voran
 
Die Aufforderungen liefen nicht ins Leere. Die 30 NHV-Tore verteilten sich auf acht Akteure, wobei der überragende Altmeister Trodler voran ging, Führungsqualitäten bewies und von der Hallenser Abwehr trotz zeitweiliger Manndeckung nie zu bremsen war. Zudem passte Trodler, der mit seinem Treffer zum 30:28 in Schlussminute letzte Zweifel am Delitzscher Erfolg beseitigte, fünf Mal erfolgreich auf den am Kreis stehenden Oliver Wendlandt, der sich durchsetzte und einnetzte. Nichts verlernt hat offenkundig Jan Jungandreas. Wegen des personellen Engpasses stellte der Co-Trainer sich als Einwechselspieler zur Verfügung, warf vier Tore, dabei das vorentscheidende 29:27. Jedoch sah es über weite Strecken der Partie nicht nach einem Erfolg der Gäste aus. „Wir sind gut gestartet“, meinte Flemming und bezog sich darauf, dass die Hallenser im ersten Durchgang mehrere Mal mit drei Toren in Führung lagen, wobei sie auch davon profitierten, dass ihnen allein bis zum Pausentee sechs Siebenmeter zugesprochen wurden. Chris Heyer verwandelte sie allesamt sicher. Der „variable Rückraum“ habe enorm Druck gemacht, lobte Maltsev die Gastgeber. Seine Mannschaft habe in dieser Phase in der Abwehr nicht so sicher gestanden. Dafür aber „haben wir nicht die Nerven verloren“, stellte Mannschaftskapitän Felix Herholc fest.
 
„Haben alles reingehauen“
 
Das traf auch auf den zweiten Durchgang zu. Die Saalestädter bauten den Vorsprung auf vier Tore aus. Doch „wir haben weiter alles reingehauen“, bilanzierte Mittag, der in dieser Phase in der Abwehr der überragende Spieler war und die Concorden in der 42. Minute mit 22:21 erstmals in Front warf. Zudem fruchteten Umstellungen in der Abwehr. „Wir haben es nicht verstanden, in die Tiefe zu gehen“, meinte Flemming. Gleichwohl gab der USV nicht auf, ging sogar wieder in Führung, hatte dem Delitzscher Schlussspurt aber nichts mehr entgegenzusetzen. „Ich muss dem gesamten Team ein großes Kompliment machen“, sagte ein zufriedener Cheftrainer Maltsev. „Der Sieg ist im Kampf um den Klassenerhalt extrem wichtig und gut für das Selbstvertrauen“, betonte Herholc. Trodler freute sich über die nun anstehende Pause. „Da haben wir Zeit zur Regeneration.“ Das sei auch nötig, denn die Auseinandersetzung in Halle habe viel Kraft gekostet. Weiter geht es für Delitzsch erst am 3. März in Aschersleben.
 
Gute Laune bei Maltsev
 
Das Nachspiel ging erneut an die Delitzscher Fans. Sie waren während der Pressekonferenz mit den beiden Trainern ruhig. Die USV-Anhänger störten dagegen, wenig sportlich, die Ausführungen von Maltsev so sehr, dass er nicht zu verstehen war. Angesichts des Derbysieges ließ er sich seine gute Laune davon nicht verderben.
Ulrich Milde, Leipziger Volkszeitung vom 11.Februar 2019

Sonntag, 3. Februar 2019

NHV - HG 85 Köthen 31:24 (16:10)

Wichtiger Sieg: NHV kämpft Köthen nieder

Martin Müller ist offenbar ein stiller Genießer. Der Abwehrhüne des NHV Concordia Delitzsch wischte sich in aller Ruhe mit einem Handtuch den Schweiß von der Stirn. Von seinem großen Verdienst am 31:24-Erfolg des Handball-Oberligisten am Sonnabend in eigener Halle gegen die HG 85 Köthen wollte der 28-Jährige nichts wissen. „Wir wussten doch alle, dass wir bei der 24:32-Niederlage vor einer Woche beim SV Plauen-Oberlosa nicht alles aus uns herausgeholt haben”, wiegelte er ab. Müllers öffentliche Kritik – Plauen sei in Sachen Wille, Kampf und Aggressivität überlegen gewesen – hat aber eindeutig gefruchtet. „Die Mannschaft ist enger zusammengerückt und hat gut trainiert”, berichtete Cheftrainer Wladimir Maltsev. Und dann „kann sie gegen alle anderen Teams in der Oberliga gewinnen” – auch gegen den Tabellensechsten. Kein Wunder, dass der Coach schon vor dem Derby extrem gut gelaunt war und Zuversicht verbreitete. „Die Stimmung ist gut”, hatte auch Torwart und Mannschaftskapitän Felix Herholc einen neuen Geist im Team ausgemacht. Dem Wachrüttler Müller hatte sich der Fanclub „Loberhaie” angeschlossen und „Kampf, Kampf und nochmals Kampf” gefordert. „Heute hat die Mannschaft unsere Erwartungen voll erfüllt”, lobte Fanclub- Vorsitzender Hartmut Sommerfeldt. „Das Team hat gezeigt, dass es lebt”, freute sich auch Co-Trainer Jan Jungandreas. „Wir haben großen Willen gezeigt”, ergänzte Rückraumschütze Danny Trodler. Der Altmeister, der am Saisonende die Schuhe an den Nagel hängen wird, erzielte fünf Tore. Entschlossenheit zeigten die Nordsachsen von Anfang an. Da ließen sie sich auch vom frühen 6:3-Vorsprung der Gäste nicht irritieren. „Wir haben es da versäumt, weitere Tore zu erzielen”, kritisierte HG-Coach Bodo Kreutzmann. Anstelle von Hektik und überhasteten Würfen war weiter Ruhe die erste Concorden-Spielerpflicht. Konzentriert wurden die Angriffe vorgetragen. Die Delitzscher holten auf und gingen durch einen Treffer ihrer Überlebensversicherung Frank Grohmann mit 8:7 (14.) in Führung. Ein Vorsprung, der nicht mehr aus der Hand gegeben wurde. Wichtig war auch, dass die Abwehr sich rasch zu einem wahren Bollwerk entwickelte. „Nach anfänglichen Unsicherheiten hat sie sich schnell gefangen und war sehr stabil“, lobte Zuschauer Manfred Buder, einst Präsident des Delitzscher Vorgängervereins.
Mit 16:10 ging es in die Pause, und die Gastgeber bauten den Vorsprung aus. Der Sieg hätte sogar höher ausfallen können, wenn sich nicht ein paar zu verschmerzende Nachlässigkeiten eingeschlichen hätten. Entscheidend für den „absolut verdienten Erfolg”, so Trodler, war eine geschlossenen Mannschaftsleistung, in der jeder für jeden kämpfte.
Das Duell der Oberliga-Torjäger entschied die Nummer eins, Frank Grohmann, mit zwölf Treffern deutlich für sich. Er hat bislang den Ball 162- mal untergebracht. Sein Köthener Kontrahent Lukas Krug, zweiter der Schützenliste, fügte seinen bisher 106 Toren nur sechs weitere hinzu, davon vier in der Anfangsphase. Auch ein Verdienst von Daniel Sowada, der ihn zeitweise in Manndeckung nahm. Und dann hatte auch Felix Herholc einen Sahnetag erwischt. Reihenweise entschärfte er platzierte Würfe und war selbst bei den zwei Siebenmetern nicht zu bezwingen. Köthens Trainer Kreutzmann monierte zu viele Fehler in seinem Team. „So kann man kein Spiel gewinnen.”
Der NHV rückte zwar mit nun 14:22 Punkten vom elften auf den neunten Platz vor. Der Kampf um den Klassenerhalt geht dennoch weiter. Halle machte ebenfalls einen Rang gut, hat 13 Pluszähler und eine Begegnung weniger. Auch Oebisfelde, Jena, Apolda, Zwickau und Einheit Plauen bangen ums Überleben. Nächsten Sonnabend treten die Concorden in Halle an. „Wir haben gezeigt, was geht”, meinte Müller. Wenn der NHV das auch in der Saalestadt abruft, dürfte Müller den Abend erneut genießen können.
Ulrich Milde, Leipziger Volkszeitung vom 4.Februar 2019