Samstag, 8. Dezember 2018

NHV - HC Burgenland 32:24 (17:14)

NHV überrollt überraschend den Tabellendritten aus dem Burgenland

Es waren ähnliche Sätze. „Wenn es bei der Trainingsbeteiligung keine Konstanz gibt, dann kommt sie auch nicht im Spiel“, sagte Waldimir Maltsev, Trainer des Oberligisten NHV Concordia Delitzsch, vor der Heimpartie gegen den HC Burgenland (HCB). Über verletzte, angeschlagene und kranke Akteure stöhnte auch Maltsevs Gegenüber Steffen Baumgart. „Eine ordentliche Spielvorbereitung ist da überhaupt nicht möglich“, gestand der Coach. Die Ausgangslage war also ähnlich. Heraus kam am Sonnabend  eine über weite Strecken einseitige Begegnung. Die Concorden gewannen überraschend und deutlich mit 32:24 (14:11), schafften so mit 12:16 Punkten wieder Anschluss an das Mittelfeld und verpassten dem favorisierten Tabellendritten einen Dämpfer im Kampf um die Spitzenplätze, die Elbflorenz II und Plauen-Oberlosa einnehmen. „Wir waren in allen Belangen Delitzsch unterlegen, hatten mental und physisch nichts entgegenzusetzen“, räumte Baumgart ein. Maltsev lobte seine Mannschaft: „Sie hat heute gezeigt, was sie kann.“
Das war nicht immer so im bisherigen Saisonverlauf. Eine Woche zuvor etwa hatten die Nordsachsen sich bei der 19:25-Pleite daheim gegen Aufsteiger SV Oebisfelde blamiert. „Heute hat jeder für jeden gearbeitet“, erklärte Martin Müller den Unterschied. „Wir haben gesehen, dass es nur als Einheit geht“, begründete Lucas Mittag, der als Rechtsaußen überzeugte, sechs Tore erzielte und vom Fanclub Loberhaie zum Spieler des Abends gekürt wurde.  „Wir sind diszipliniert aufgetreten“, ergänzte ein zufriedener Maltsev. Mannschaftskapitän und Torwart Felix Herholc freute sich, „dass wir heute als Team aufgetreten sind“.
Dabei war die Ausgangslage für die Gastgeber alles andere als positiv. Danny Trodler war erkrankt, Mateusz Wolski konnte wegen eines Trauerfalls in der Familie nicht mitmachen. Michal Paululik (Meniskus) fällt bis Jahresende aus, Jan Derk Janßen (Kreuzband) wird sich auch den Rest der Spielzeit mit der Zuschauerrolle begnügen müssen. So zog sich Co-Trainer Jan Jungandreas das Trikot über, um im Notfall einzugreifen. Doch der trat nicht ein. Maßgeblich, weil die Maßnahmen von Maltsev einschlugen. So beorderte er Defensivspezialist Müller in der ersten Halbzeit im Angriff auf die durch Trodlers Ausfall verwaiste linke Rückraumposition. Müller ließ sich nicht lumpen, erzielte in bester Torjägermanier drei Treffer. Schon bei der Partie in Köthen 23:25) hatte der 28-Jährige seine Offensivqualitäten mit fünf Toren unter Beweis gestellt. Die Concorden starteten im ersten Spiel der Rückrunde stark, bauten die Führung auf fünf Treffer aus. Die routinierten Gäste aus dem südlichen Sachsen-Anhalt – sieben Spieler sind um die 30 Jahre alt, Torwart Michal Galia hat sogar 46 Jahre auf dem Buckel – gaben aber nicht auf, kämpften sich heran und lagen zweimal beim 9:10 und 10:11 (21. Minute) sogar in Führung. „Da haben wir die Köpfe oben gelassen“, freute sich Müller. Oben drauf kam ein entscheidender personeller Schachzug von Maltsev. Für den guten Torwart Marian Voigt brachte er Herholc. Der parierte gleich die ersten drei Burgenland-Würfe und brachte den Gegner mit insgesamt 18 Paraden schier zur Verzweiflung. Zudem forderte der Keeper die Zuschauer zur lautstarken Unterstützung auf, was dann auch erfolgte.
„Wir haben im Angriff geduldig gespielt“, sagte Herholc. „Wir haben nicht überhastet geworfen, sondern gewartet, bis wir gute Positionen hatten“, pflichtete Maltsev ihm bei. So setzte der NHV sich wieder ab und ließ sich auch nach dem Seitenwechsel nicht davon beirren, dass der HC bis auf einen Treffer wieder herankam. Auch die jüngeren Spieler wie Daniel Sowada und Niklas Prautzsch wirbelten im Angriff, suchten und fanden die Lücken in der Abwehr der immer schwächer werdenden Gäste.  Und Verlass war erneut auf Top-Torjäger Frank Grohmann, der sich selbst von einer zeitweiligen Manndeckung nicht stoppen ließ, zehn Bälle im Kasten unterbrachte und die Torschützenliste der Oberliga mit 128 Treffern deutlich anführt. Der Zweitplatzierte, Sebastian Triller vom HBV Jena, kommt auf 96 Tore. „Grohmann hat überragt“, fand der verletzte HCB- Torwart Max Neuhäuser, ein früherer Delitzscher. „Bei uns hat dagegen wenig funktioniert.“
Maltsev hofft, dass nächste Woche im letzten Spiel des Jahres bei Elbflorenz sein Team ähnlich gut funktioniert wie gegen Burgenland. „Wenn wir unsere Leistung zeigen, sind wir nicht chancenlos.“
Ulrich Milde, Leipziger Volkszeitung vom 10.Dezember 2018

Samstag, 1. Dezember 2018

NHV - SV Oebisfelde 19:25 (8:11)

NHV rückt nach Heimpleite an Abstiegszone heran

Geschichte wiederholt sich gelegentlich, aber nicht immer. Das mussten auch die Oberliga- Handballer des NHV Concordia Delitzsch feststellen. Vor einem Jahr hatten die Nordsachsen nach dem zwölften Spieltag 10:14 Punkte, wie jetzt auch. „Starke Leistungen wechselten sich mit Katastrophen ab“, schrieb der Fanclub Loberhaie – das gilt auch jetzt.
Damals startete mit der 13. Partie der Beginn einer überragenden Serie, es wurde nur noch eine Partie verloren. Ein ähnlicher Coup gelang nicht. Am Sonnabend unterlagen die Concorden in eigener Halle nach einer miserablen Leistung gegen Aufsteiger SV Oebisfelde mit 19:25 (8:11). Damit fiel das Team von Trainer Wladimir Maltsev nach der letzten Hinrundenbegegnung vom achten auf den elften Platz zurück und hat mit 10:16 Punkten nun wieder engen Kontakt zu den Abstiegsrängen. Die Gäste aus dem nördlichen Sachsen-Anhalt setzten sich dagegen ins Mittelfeld ab. „Wir waren heute richtig schwach“, gestand Maltsev. Das sah der Fanclub genauso. Denn die übliche Ehrung des Concorden-Spieler des Tages wurde ersatzlos gestrichen. „Wir wussten nicht, wen wir nehmen sollten“, hieß es. Die nach den Heimbegegnungen übliche Pressekonferenz vor den Fans wurde zu einer einseitigen Angelegenheit, lediglich Maltsev äußerte sich. Ein Delitzscher Zuhörer kritisierte lautstark und wiederholt in nicht sehr freundlicher Art, dass Gäste-Coach Thomas Meinel erst sehr spät erschien. Unverschuldet, da er zuvor an der Nachbesprechung mit den Schiedsrichtern Thomas Pinkert und Steffen Zänker sowie den Kampfrichtern Petra Keller und Valeska Lange teilnehmen und den elektronischen Spielbericht unterschreiben musste. „Ich möchte meiner Mannschaft ein Riesenkompliment machen, sie hat diszipliniert gespielt“, sagte Meinel später im Gespräch mit der LVZ. Der Sieg sei verdient. „Wir hatten uns hier schon etwas ausgerechnet“, kommentierte Rückraumspieler Tim Schroeter, der seinen zuvor 66 Treffern lediglich ein weiteres Tor am Lober hinzufügte. Dafür sprang Trainer-Sohn Oliver Meinel mit seinen neun erfolgreichen Würfen in den Delitzscher Kasten in die Bresche. „Er konnte machen, was er wollte“, ärgerte sich Concordia- Keeper und Mannschaftskapitän Felix Herholc.
Zunächst war das Spiel eine eher langweilige Angelegenheit. Tore waren auf beiden Seiten Mangelware. Der Höhepunkt ereignete sich in der 14. Minute, als Herholc ein Loch in seinem Tornetz bemerkte und ein Helfer den Schaden reparierte. „Wir haben die ersten zwanzig Minuten ordentlich mitgehalten“, meinte Herholc. Bis dahin war das Spiel weitgehend ausgeglichen, Oebisfelde behauptete zunächst einen Ein-Tore-Vorsprung. Was auch dadurch begünstigt wurde, dass der NHV klarste Torchancen vergab und so manches Zuspiel beim Gegner landete. Beim Halbzeitstand von 8:11 schien noch alles offen zu sein.
Nach dem Seitenwechsel verflogen diese Delitzscher Hoffnungen rasch. Die Gäste bauten den Vorsprung auf fünf, sechs Tore aus. „Wir sind dann nur noch hinterhergelaufen“, räumte Herholc ein. „Wir sind einfach nicht in den Flow gekommen“, sagte Lucas Mittag. Maltsev probierte alles, wechselte munter durch, schob die Spieler auf andere Positionen, versuchte die Angriffe des Gegners durch einen vorgeschobenen Daniel Sowada zu bremsen. Doch vergeblich.
„Diese 5:1-Deckung kam uns zugute, da die Räume für unsere Angreifer größer wurden“, meinte Meinel. Als entscheidend bezeichnete er, dass es gelungen sei, die Achse zwischen Goalgetter Frank Grohmann und Kreisläufer Oliver Wendlandt zu behindern. „Wir haben sie gut im Griff gehabt, da wir die Ballwege oft erfolgreich gestört haben.“ Ein Lob spendierte er seinem Torwart Thomas Drese, der 15 Würfe entschärfte. „Er war gut aufgelegt.“
Maltsev kritisierte, dass der Rückraum „ohne Ausstrahlung“ aufgetreten sei. Zudem habe es in der Abwehr viele Missverständnisse gegeben. Damit sich dieses nicht wiederholt, muss nächste Woche zum Rückrundenauftakt in eigener Halle gegen den HC Burgenland eine deutliche Steigerung her.
Ulrich Milde, Leipziger Volkszeitung vom 3.Dezember 2018

Samstag, 24. November 2018

HBV Jena - NHV 23:27 (11:15)

Zurück in der Erfolgsspur

Nach der unglücklichen Niederlage zu Hause gegen Freiberg und der Sperre von Oliver Wendlandt galt es in Jena, wieder Flagge zu zeigen. Genau das taten zu Beginn die Delitzscher Fans in beeindruckender Manier. Diese Unterstützung war es auch, was die Mannschaft in dieser Phase benötigt, um da unten endlich herauszukommen.
So gewann der NHV nicht nur das Spiel auf der Platte, sondern auch auf den Zuschauerrängen. Wie nicht anders zu vermuten war, kämpften beide Mannschaften von Beginn an um jedes Tor, denn eine Niederlage konnte und wollte sich keiner erlauben. So entwickelte sich in den ersten 20 Minuten ein ausgeglichenes Spiel und die Führung wechselte ständig hin und her. Dennoch war die Nervosität auf beiden Seiten spürbar. Technische Fehler oder unsaubere Pässe sorgten immer wieder dafür, dass das Tempo im Angriff nicht immer auf einem gleichbleibend hohen Niveau gehalten werden konnte. Doch in den letzten zehn Minuten der ersten Halbzeit zog Delitzsch das Tempo spürbar an und Jena verzweifelte entweder an der hervorragenden 5:1-Deckung des NHV oder aber sie scheiterten am starken Felix Herholc im Delitzscher Tor. Die Folge war ein 5:0-Lauf und damit auch die beruhigende 15:11-Halbzeitführung.
In dieser Phase schien es so, als ob Delitzsch jetzt das Spiel im Griff hatte. Es schien aber nur so! Jena wollte sich nicht so einfach geschlagen geben und kämpfte weiter. Jena spielte dabei alles andere als fehlerfrei, nur konnte das Delitzsch nicht nutzen, da die Fehlerquote noch höher lag als bei den Gastgebern. Als dann Jena in der 45.Minute den 17:17-Ausgleich erzielte, drohte das Spiel zu Gunsten der Gastgeber zu kippen. Die Delitzscher Mannschaft bewahrte aber die Ruhe und wurde, anders als in anderen Spielen, nicht hektisch. Genau in dieser Phase warf Wolski das schönste Tor im Spiel, als er von der eigenen Neunmeterlinie über den gegnerischen Torwart ins Jenenser Tor traf. Diesen emotionalen Schub nahm die Mannschaft auf und ließ dem HBV Jena in der Schlussphase keine Chance mehr, zurück ins Spiel zu kommen. Am Ende gewann Delitzsch absolut verdient mit 27:23 und konnte sich somit wieder etwas Luft im Tabellenkeller verschaffen Cheftrainer Wladimir Maltsev: „Nach der bitteren Niederlage gegen Freiberg wollten wir unbedingt zurück in die Erfolgsspur. Die Jungs sind sehr konzentriert ins Spiel gegangen und haben sich sowohl in der Abwehr als auch im Angriff an unsere abgesprochene Linie gehalten. Ich muss meiner Mannschaft ein großes Kompliment machen, dass sie auch nach einer schwachen Phase zu Beginn der zweiten Halbzeit nicht die Nerven verloren hat, sondern diszipliniert und geduldig weiterspielte.“
Sven Sauerbrey, Leipziger Volkszeitung vom 26.November 2018

Samstag, 17. November 2018

NHV - HSG Freiberg 35:37 (18:17)

Schiedsrichter führen bei Drama Regie

Die Uraufführung von Friedrich Schillers „Wilhelm Tell“ fand 1804 am Weimarer Hoftheater statt. Eine Neuauflage gab es 114 Jahre später an ungewohnter Stelle: in der Delitzscher Mehrzweckhalle. Die Handball-Oberliga-Partie am Sonnabend zwischen dem NHV Concordia Delitzsch und der HSG Freiberg entwickelte sich zu einem wahren Drama, an dem der Dichterfürst wohl seine helle Freude gehabt hätte. Die Partie endete mit einem 37:35-Erfolg der Gäste.
„Da rast der See und will sein Opfer haben“, heißt es im Tell. Zumindest aus Delitzscher Sicht schien es so, als hätten die Schiedsrichter Daniel Bierhals und Benet Priesing vom SC Magdeburg dieses Zitat verinnerlicht. Denn die beiden Referees entwickelten sich von Neben- zu Hauptdarstellern und übten zugleich in Doppelbesetzung den Part des Regisseurs aus. Von Anpfiff weg bemühten sie sich zwar, einen strengen Maßstab anzulegen, doch heraus kamen oft inkonsequente Entscheidungen und eine wechselhafte, unklare Linie. Es hagelte Foulpfiffe, Verwarnungen und Zwei-Minuten-Strafen, oft für Kleinigkeiten, die beim Handball dazugehören.
Ich spreche eigentlich nie über die Schiedsrichter“, sagte Concordia- Coach Wladimir Maltsev. „Aber heute fehlen mir die Worte.“ Es habe nach fast jedem Kontakt zwei Minuten geben. „Wegen was?“, schüttelte der Trainer den Kopf. Er fühle sich, als ob ihm etwas gestohlen worden sei.
„Das habe ich das erste Mal erlebt.“ Einige Delitzscher Fans wurden noch drastischer. Die Palette reichte von „das ist ein Skandal, was gepfiffen wurde“ bis „die müssten sofort gesperrt werden“. Alexander Matschos, mitspielender Co-Trainer der Gäste, drückte sich diplomatisch- zurückhaltend aus. Es habe schon zwei, drei unverständliche Entscheidungen gegeben, meinte er. So mancher Delitzscher Spieler wollte aus Vorsicht gar nichts sagen. Motto: „Sonst bekomme ich eine Sperre.“
Die Rolle des Bösewichts hatten die Unparteiischen dabei offenkundig Oliver Wendlandt zugedacht. Eine seiner Zeitstrafen erhielt der Abwehrrecke, der auch in der Offensive mit sechs Toren überzeugte, nachdem er in der Defensive lediglich die Arme oben, sie aber nicht bewegt hatte. In der 54. Minute folgte der Eklat. Wendlandt sah seine dritte Zeitstrafe und folglich Rot. Er trat gegen die Delitzscher Bank, schlug mit den Händen auf den Boden. Emotionen pur. Danach schieden sich die Geister. Laut Schiedsrichterbericht soll der Kreisläufer sich sehr kritisch über die Leistung der beiden Magdeburger geäußert haben. „Das stimmt überhaupt nicht“, sagte er. Dennoch erhielt er die blaue Karte. Das bedeutet, dass ein Bericht angefertigt wird und eine Sperre wohl unausweichlich ist.
So entwickelte sich nach kurzer Zeit der Normalität ein eigenartiges und lange Zeit ausgeglichenes Sachsen-Derby. Marian Voigt entschärfte in der Anfangsphase zwei Siebenmeter, bekam danach, wie die anderen Torhüter auch, aber kaum noch eine Chance, einen Ball zu halten – weil beide Abwehrreihen sich angesichts der Schiedsrichterentscheidungen kaum noch trauten, energisch zuzupacken. So war es dann auf beiden Seiten so etwas wie ein „Tag der offenen Tür“, wie es Matschos formulierte.
Fast jeder Wurf war ein Treffer. Da ging schon ein wenig unter, dass Torjäger Frank Grohmann sensationelle 15 Treffer erzielte und Co-Trainer Jan Jungandreas in der zweiten Halbzeit sein Comeback in der ersten Mannschaft feierte. Das war die Konsequenz aus der Verletzung von Rechtsaußen Michal Paululik. Der Tscheche leidet seit drei Monaten unter Knieschmerzen und wird heute am Meniskus operiert und will im neuen Jahr zurückkehren. Aufsteigende Tendenz zeigte der klug Regie führende Mateusz Wolski. Der Pole, der momentan nur von Freitag bis Sonntag zur Verfügung steht, zieht im Januar nach Delitzsch um. „Ein Unentschieden heute wäre gerechter gewesen“, meinte er.
„Meine Mannschaft hat toll gekämpft“, lobte Maltsev, als der Schlussvorhang gefallen war. Gleichwohl hat das Team mit nunmehr 8:14 Punkten wieder Kontakt zur Abstiegszone. Wenn diese Leistung nächstes Wochenende in Jena abgerufen werde und die Schiedsrichter eine vernünftige Leistung zeigen, „werden wir gewinnen“, so der Trainer. „Also! Mutig ans Werk“, heißt es dazu in Schillers „Räuber“.
Ulrich Milde, Leipziger Volkszeitung vom 19.November 2018

Sonntag, 11. November 2018

ZHC Grubenlampe - NHV 25:26 (13:14)

NHPhönix aus der Asche

Eine Viertelstunde vor Schluss lag der NHV Concordia Delitzsch mit sechs Toren zurück. Aussichtslos. Eigentlich. Die nächste Niederlage. Eigentlich. Doch der NHPhönix erhob sich aus der Asche des Sonntagnachmittags und gewann beim ZHC Grubemlampe in Zwickau doch noch mit 26:25. Dadurch springt die Mannschaft von Trainer Wladimir Maltsev auf Rang neun der Handball-Oberliga.
Siegtorschütze Danny Trodler staunte nach dem Schlusspfiff: „Was wir die letzten 15 Minuten kämpferisch auf die Platte gebracht haben, war beeindruckend. Genauso wie unsere Fans, die selbst Mitte der zweiten Hälfte noch uneingeschränkt hinter uns standen. Hut ab vor diesen Fans und der Mannschaft.“
Das Spiel begann durchwachsen, obwohl die Delitzscher in der ersten Viertelstunde immer knapp in Führung lagen. Michael Günther setzte sich in dieser Phase mit vier Toren gut in Szene. Doch dem NHV gelang es nicht, konsequenter mit den Chancen umzugehen. Zahlreiche gute Gelegenheiten blieben auf der Strecke. So blieb Grubenlampe auf Schlagdistanz, der knappe 13:14-Halbzeitstand spricht Bände.
In der Pause stellten sich die Delitzscher Fans die Frage, ob die Chancen nun konsequenter genutzt werden und eine Entscheidung zu Gunsten der Concordia fallen wird. Die Antwort kam schneller und anders als erwartet. In den nächsten 20 Minuten drehten die Hausherren die Partie und bestraften konsequent das desolate Spiel der Gäste. In der 39. Minute stand es 20:16 für Grubenlampe, der NHV hatte offensiv große Probleme. Den mitgereisten Fans stockte der Atem und es sollte nicht besser werden. In der 42. Minute hatten die Zwickauer einen sechs-Tore-Vorsprung herausgeworfen und Erinnerungen an das Spiel in Plauen wurden wach. War es das? Nein! Das Team kam willenstark zurück.
Der Trainer stellte die Mannschaft um und diese begann, den Rückstand Stück für Stück aufzuholen. Eine Viertelstunde vor Schluss, es stand 24:20, ahnte noch keiner, welche Dramatik sich auf dem Parkett entwickeln würde. Die Delitzscher Abwehr stabilisierte sich und Torwart Felix Herholc entschärfte wichtige Bälle. Auch wenn nicht alles gelang, Concordia kämpfte vorbildlich und holte Tor um Tor auf. Die Rot-Weißen dagegen konnten nur noch einen Torerfolg für sich verbuchen und diese Schwäche wurde von Delitzsch erbarmungslos bestraft. In der 57. Minute war der Ausgleich geschafft (25:25). Das Geschehen wogte hin und her, aber der NHV hatte die besseren Antworten. 30 Sekunden vor der Schlusssirene ging ein Aufschrei durch die Delitzscher Fangemeinde. Soeben hatte Danny Trodler zum 26:25 für seine Farben eingenetzt. Noch 30 Sekunden hieß es kämpfen und das erledigten die Concorden clever. Zwickau kam nicht mehr zum Abschluss.
Auch wenn dieses Spiel nichts für Handballästheten war, der NHV konnte eine durchwachsene Partie mit Kampf, Einsatz und etwas Glück drehen, den ersten Auswärtssieg der Saison einfahren und dadurch den Abstand zu den Abstiegsplätzen etwas vergrößern. ZHC-Trainer Tonci Druskovic befand hinterher: „Ein Unentschieden wäre das gerechte Resultat gewesen. Wer mit sechs Toren führt, muss das Spiel gewinnen. Delitzsch hatte den größeren Willen, das letzte Tor zu erzielen.“ Wladimir Maltsev sagte: „Für mich war es das schwerste Saisonspiel. In der zweiten Halbzeit kam es zu einem Bruch im Spiel, daraufhin habe ich die Abwehr umgestellt und es wurde besser. Die Mannschaft wächst immer mehr zusammen.“
Hartmut Sommerfeldt / Jens Teresniak, Leipziger Volkszeitung vom 13.November 2018