Donnerstag, 7. Januar 2016

Der "Mann für alle Fälle" übernimmt

Teammanager Christian Hornig ist ab sofort in Personalunion auch der neue Cheftrainer beim ambitionierten Handball- Sachsenligisten NHV Concordia Delitzsch. Der 38-Jährige soll als Nachfolger des entlassenen Michael Schneider den Aufstieg in die Oberliga schaffen.
Der Nachfolger des langjährigen NHV-Cheftrainers Michael Schneider (40) ist einer mit ordentlich Stallgeruch. Der 38-jährige Christian Hornig lernte dereinst als Sechsjähriger beim Concordia-Vorgängerverein ESV Delitzsch das Handballspiel – in der vergangenen Saison half er im vorletzten Spiel aufgrund von Personalmangel sogar noch einmal in der Ersten aus. Eben ein Mann für alle Fälle.
Hornig durchlief sämtliche Delitzscher Jugendmannschaften und schaffte es schließlich 1998 bis in die 2. Bundesliga, in der er fünf Jahre lang für die Concordia auflief. Es folgten Stationen beim SC DHfK Leipzig und in Landsberg, wo er schließlich 2010 erstmals in die Trainerrolle schlüpfte und den Sachsen-Anhalt-Ligisten zu einigen achtbaren Ergebnissen führte. Da der zweifache Vater samt Familie auch nach seinem sportlichen Weggang aus Delitzsch in der Loberstadt wohnen blieb, machten beide Hornig-Kinder ihre ersten handballerischen Versuche beim 2010 neu gegründeten NHV Concordia Delitzsch. So fand letztlich auch der Vater wieder zurück zu seinen eigenen Delitzscher Handballwurzeln.
Seit Sommer 2013 gehört Christian Hornig dem Vorstand des Vereins an und übernahm seither immer mehr Funktionen. In der laufenden Saison trainiert er nicht nur die Delitzscher F-Jugend, sondern zieht auch in der Männermannschaft als Teammanager die Fäden und hilft zudem in der Geschäftsstelle des Vereins aus. Aushilfsweise war Hornig auch in der Sachsenliga auf das Parkett zurückgekehrt. Am 25. April stellte er sich in der Heimpartie gegen Cunewalde zur Verfügung. Trainer Schneider, dem viele verletzte Akteure fehlten, ließ ihn die letzten vier Minuten ran – der wie auch Hüter Dirk Fischer reaktivierte Oldie versenkte kurz vor Schluss einen Siebenmeter zum 33:28-Sieg.
die Spieler kam die Entscheidung am Montagabend überraschend. Der zurzeit verletzte Kapitän Ivo Doberenz versichert dennoch, dass die Mannschaft sich konzentriert auf das wichtige nächste Spiel am Samstag vorbereiten wird: „Die sportliche Aufgabe der Mannschaft ist jetzt alleinig das Spiel in Radeburg. Da bleibt keine Zeit, länger über diese Entscheidung nachzudenken. Auf jeden Fall möchte ich aber Michael Schneider im Namen der Mannschaft für seine gute Arbeit in den vergangenen Jahren danken und ihm für seine nächsten sportlichen Stationen alles Gute wünschen.“
Zur Seite stehen wird dem neuen Cheftrainer der 29-jährige Martin Möhle, der auch weiterhin das Amt des Co-Trainers bekleiden wird. Da er wegen einer langwierigen Schulterverletzung auf dem Spielfeld einstweilen nichts ausrichten kann, wird zudem ab sofort Jan Jungandreas (28) versuchen, als Co-Assistent seinen Beitrag zum Erreichen des großen Saisonziels beizusteuern.
Das Ziel heißt nach wie vor Aufstieg in die Mitteldeutsche Oberliga und ist trotz zuletzt zweier Pleiten in Folge bei zwei Punkten Rückstand auf den Spitzenreiter und elf verbleibenden Partien noch immer in Sichtweite. Damit das so bleibt, sollte allerdings im nächsten Spiel am Samstagabend ein Sieg her. Und das wird kein einfaches Unterfangen. Denn der Gegner ist kein Geringerer als der aktuelle Tabellenführer TSV 1862 Radeburg – das einzige in dieser Saison noch ungeschlagene Team der Sachsenliga. NHV-Vorstandschef Axel Schüler ist dennoch guter Dinge: „Unsere Mannschaft wird mit breiter Brust, hochmotiviert und sehr gut vorbereitet zum Topspiel nach Radeburg fahren.“ Sollte es eine erfolgreiche Fahrt werden, hätte der NHV auf einen Schlag wieder beste Karten im Kampf um die Sachsenmeisterschaft. Und auf der Trainerbank jemanden sitzen, der aus eigener Erfahrung weiß, wie sich das anfühlt. Vor genau 20 Jahren feierte Concorde Christian Hornig als Spieler nämlich schon einmal den Sachsenmeistertitel für Delitzsch. Damals mit sagenhaften 52:0 Punkten. Die sind freilich nicht zu erreichen – aber für die„Mission Oberliga“ zählt nur Rang eins. Am Montagabend bekam die Mannschaft vor einem extra anberaumten Sondertraining die Informationen zum Trainer-Entscheid. Dann wurde in der Artur-Becker- Halle geübt. Insgesamt hat Hornig vier Trainingstermine, um die Mannschaft auf die bevorstehende Auswärtsfahrt nach Radeburg einzuschwören. Dort erwartet den Tabellenzweiten in der ausverkauften Paul-Tiedemann-Sporthalle bei der Premiere von Hornig ein heißer Tanz. Die Delitzscher und Radeburger verbindet ohnehin nicht gerade eine innige Freundschaft. In der vergangenen Saison hatte der TSV nach der Niederlage in Delitzsch Einspruch eingelegt, Streitpunkt war der NHV- Siegtreffer mit dem Abpfiff. Das Ergebnis wurde annulliert und die Saison ging in die Verlängerung – das für Platz eins nicht mehr wichtige Match wurde nach dem letzten Spieltag nachgeholt. Der NHV gewann mit 32:28 und sammelte die zwei Zähler doch noch ein.
Gleich im ersten Match der Saison 2015/16 gab es ein Wiedersehen und lange Gesichter bei Gastgeber Delitzsch. Der große Aufstiegsfavorit kam gegen den Mitbewerber über ein 27:27 nicht hinaus – und dabei sogar noch mit einem blauen Auge davon. Zur Halbzeit hatte es 12:15 gestanden, Michael Schneider raufte sich mehrfach die Haare und tigerte wie angestochen durch die Teamzone. Auch Jan Jungandreas verhinderte mit seinen neun Treffern nicht den ersten Punktverlust. Nun wird der an der Schulter verletzte Sohn des einstigen Delitzscher Bundesliga-Coaches Uwe Jungandreas „tatenlos“ – aber mit ziemlicher Sicherheit nicht schweigsam – als Mitglied des neuen Trainerteams an der Seite stehen.
Jens Terseniak / Torsten Teichert, Leipziger Volkszeitung vom 6.Januar 2016

Mittwoch, 6. Januar 2016

Paukenschlag: Concordia Delitzsch entlässt Trainer Michael Schneider

Das ist ein echter Paukenschlag zum Jahresbeginn: Der ambitionierte Handball- Sachsenligist NHV Concordia Delitzsch hat sich von seinem Cheftrainer Michael Schneider getrennt. Ein Nachfolger soll zeitnah bestimmt und bekanntgegeben werden. Bereits am Samstag tritt der Tabellenzweite beim Spitzenreiter TSV 1862 Radeburg an – dann sitzt der Neue mit ziemlicher Sicherheit bereits auf der Bank. Die Mannschaft wurde am Montagabend bei einem kurzfristig angesetzten Sondertraining über die neue Situation informiert.
„Sportliche Leitung und Vorstand haben während der Feiertagswochen umfangreich analysiert, abgewogen und resümiert, um mit ganzer Kraft die Rückrunde durch den Titel des Sachsenmeisters krönen zu können“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der NHV-Führung. „Veränderungen sollen der Mannschaft neue und andere Impulse verleihen. Der langjährige Chefcoach Michael Schneider ist beurlaubt und von seiner Aufgabe als Trainer der Sachsenliga-Mannschaft entbunden.“
NHV-Vorstandschef Axel Schüler signalisierte eine schnelle neue Lösung und erklärte: „Wir werden mit breiter Brust und einer hochmotivierten Mannschaft sehr gut vorbereitet zum Top-Spiel nach Radeburg fahren.“ Die Partie zum Rückrunden-Auftakt am bevorstehenden Wochenende trägt nach Ansicht der Concordia-Führung Endspiel-Charakter. Radeburg (19:3 Punkte) führt nach 11 von 22 Partien mit zwei Zählern Vorsprung auf Delitzsch (17:5), es folgen LHV Hoyerswerda (16:6) und SV Koweg Görlitz (15:7). Alle anderen Vereine sind bereits aus dem Rennen um Rang eins.
Über die exakten Hintergründe für die Demission von Schneider kann freilich ein wenig spekuliert werden. Der aufstiegswillige Verein war eigentlich grandios in die Saison gestartet, nach einem Remis zum Auftakt gegen Radeburg (27:27 am 12. September) folgten acht Siege – die Truppe stand glänzend da und grüßte mit 17:1 Zählern von der Tabellenspitze. Dann aber folgten zwei hauchdünne Niederlagen: in Görlitz gab es ein 25:26 (13. Dezember), in Hoyerswerda ein 28:29 (19. Dezember). Die Weihnachtsstimmung war futsch. In beiden Partien fehlte Top-Torjäger Jan Jungandreas. Der Sohn des einstigen Delitzscher Bundesliga-Coaches Uwe Jungandreas hatte beim letzten Sieg gegen den HC Elbflorenz II eine Schulterverletzung erlitten und fällt bis zum Saisonende aus.
In der Vorstandserklärung heißt es nun zu der Trainer-Entscheidung: „Ein hoher Einsatz und volles Risiko, denn fortan wird sich zeigen, ob das Team mit dieser Entscheidung tatsächlich neues Potenzial entfaltet.“ Offenbar hatte die Führungscrew auch in die Mannschaft hineingehorcht. Und war aufgrund der so gewonnenen Erkenntnisse zu der Überzeugung gelangt, dass Schneider nicht mehr der richtige Mann für die „Mission Aufstieg“ ist.
Wanken, zumal Radeburg mit bisher nur drei Unentschieden einen stabilen Eindruck hinterlässt. „Die Wunden der letzten beiden knappen Auswärtsniederlagen schmerzen sehr, zurückgeblieben sind Narben, deren schnelle Heilung im Fokus steht“, so die NHV-Sicht.
Triumph am Samstag in Radeburg wäre mehr als Balsam für diese Wunden – die Partie ist übrigens ausverkauft. Einlass in die rund 220 Zuschauer fassende Wettkampfstätte gibt es also nur für jene rund 50 Delitzscher Anhänger, die ein Ticket für den Fanbus ergattern konnten. Das erste Heimspiel mit neuem Trainer findet dann am 16. Januar gegen Aufsteiger Zwönitzer HSV 1928 statt. Der langjährige Chefcoach Schneider, im Hauptberuf Erzieher, hatte in den vergangenen Jahren mehrfach knapp den angestrebten Sprung in die Oberliga verfehlt. In der Saison 2014/15 landete er mit seinen Jungs auf Rang drei, die beiden Spielzeiten zuvor reichte es jeweils „nur“ zur Vizemeisterschaft.
Nach seinem letzten Match in sportlicher Verantwortung am 19. Dezember in Hoyerswerda gingen die Meinungen der „Würdenträger“ schon weit auseinander. Schneider schwärmte trotz der entgangenen Zähler „vom besten Sachsenliga-Spiel, das ich in dieser Saison gesehen habe“. Concordias Teammanager Christian Hornig war hingegen mächtig sauer, kritisierte das Team ungewöhnlich scharf: „Da wird lieber der Fehler beim Nachbarn gesucht, anstatt sich selbst kritisch zu hinterfragen. Wir nehmen uns Würfe, die völlig unvorbereitet sind und die jede taktische Disziplin vermissen lassen.“ Diese Worte erhalten mit der Entlassung nachträglich einen anderen Klang.
Schneider nutzten dann auch die wirklich schlechten Vorzeichen bei diesem Match nicht mehr für den „Job-Erhalt“. Es fehlten der langzeitverletzte Jan Jungandreas, Kapitän Ivo Doberenz, Marcus Leuendorf, Matthias Strehle und Clemens Liebezeit. Zu allem Überfluss hatten Torhüter Gàbor Pulay und Marcel Ulrich im Stau gestanden und erst Mitte der ersten Halbzeit eingegriffen. In Radeburg wird die Personalsituation eine bessere sein.
Jens Teresniak / Torsten Teichert, Leipziger Volkszeitung vom 5.Januar 2016

Samstag, 19. Dezember 2015

LHV Hoyerswerda - NHV 29:28 (17:12)

Unruhige Weihnachten

Den Mannen des NHV Concordia Delitzsch steht ein mutmaßlich unruhiges Weihnachtsfest ins Haus. Die Mannschaft von Trainer Michael Schneider verlor am Sonnabend 28:29 (12:17) beim LHV Hoyerswerda und verpasste den Sprung zurück an die Tabellenspitze der Handball-Sachsenliga. Nach der zweiten Niederlage am Stück beträgt der Rückstand auf Primus Radeburg zwei Punkte. Dort gastiert der NHV übrigens zum Start ins neue Handball-Jahr am 9. Januar.
Mit einem Auftritt wie in Hoyerswerda dürfte es aber gegen jeden Gegner schwer werden. Auch wenn Michael Schneider anschließend „vom besten Sachsenliga-Spiel, das ich in dieser Saison gesehen habe“, schwärmte. Christian Hornig war dagegen pappesatt, kritisierte das Team ungewöhnlich scharf: „Da wird lieber der Fehler beim Nachbarn gesucht, anstatt sich selbst kritisch zu hinterfragen“, sagte der Concordia-Teammanager und ergänzte: „Wir nehmen uns Würfe, die völlig unvorbereitet sind und die jede taktische Disziplin vermissen lassen.“
Allerdings standen die Zeichen schon vorm Anpfiff denkbar ungünstig. Es fehlten der langzeitverletzte Jan Jungandreas, Kapitän Ivo Doberenz, Marcus Leuendorf, Matthias Strehle und Clemens Liebezeit. Zu allem Überfluss standen Torhüter Gábor Pulay und Marcel Ulrich im Stau und konnten erst Mitte der ersten Halbzeit eingreifen. Angesichts dieser suboptimalen Voraussetzungen fanden die Gäste recht gut in die Partie, führten anfangs sogar 3:1. Doch anschließend lief so gut wie gar nichts mehr zusammen. In der Defensive packten die Delitzscher nur zaghaft zu. Hoyerswerda bedankte sich mit einfachen Toren. Speziell Riese Lukasz Stodtko konnte machen, was er wollte. „Wir haben im Abwehrverbund viel zu passiv agiert. Wir mussten uns jedes Tor hart erarbeiten und haben es Hoyerswerda durch unser Abwehrspiel viel zu einfach gemacht“, sagte Delitzschs Co-Trainer Martin Möhle. Der Rückstand wuchs bis zur Pause auf 12:17 an – und diesen Rucksack schleppten die Concorden bis in die Schlussphase der Partie mit sich herum. Die Hausherren hatten keine Mühe, den Vorsprung zu verwalten, da auch die Torhüter des NHV einfach nicht ins Spiel fanden. Erst ab Mitte der zweiten Halbzeit war die Aggressivität in der Abwehr auf Normalniveau. Auch wenn im Angriff nicht alles klappte oder der Pfosten mehrfach im Wege stand, kam Delitzsch nun Tor um Tor heran. Aus einem 23:28 in der 54. Minute war 15 Sekunden vor Schluss ein28:29 geworden. Und das Beste: Die Gästen hatten sogar noch einmal den Ball. Doch die Schiedsrichter pfiffen sonderbarerweise ein Stürmerfoul und entschieden damit die Partie. Die Delitzscher waren außer sich. Danny Trodler und Ivo Doberenz stürzten auf den Unparteiischen zu, mussten von Michael Schneider zurückgehalten werden. Die Aufregung half ohnehin nichts. Ihren Pfiff nahmen die Referees nicht zurück. Das Spiel hatten die Delitzscher sowieso vorher vergeigt. Auch wenn Martin Möhle fand: „Schlussendlich stehen wir mit einer sehr bitteren Niederlage da.“ Dass es überhaupt so eng wurde, lag aber nicht an den Schiedsrichtern, sondern am lange Zeit viel zu pomadigen Spiel der Concorden.
Johannes David/Sven Sauerbrey, Leipziger Volkszeitung vom 21.Dezember 2015

Sonntag, 13. Dezember 2015

SV Koweg Görlitz - NHV 26:25 (16:11)

NHV bekommt an der Grenze Grenzen aufgezeigt

Die Reise in die östlichste Stadt Deutschlands ging für die Delitzscher am Sonntag im sechsten Jahr schon zum fünften Mal gehörig in die Turnhose. In einem Spiel mit miserabler erster und – vor allem kämpferisch – starker zweiter Hälfte verloren die Loberstädter am 10. Spieltag der Sachsenliga beim SV Koweg Görlitz mit 25:26 (11:16). Durch die erste Saisonniederlage müssen sich die Delitzscher in der Tabelle nun einstweilen hinter dem an diesem Wochenende spielfreien TSV 1862 Radeburg einsortieren, können aber schon am kommenden Wochenende mit einem Sieg im Nachholspiel gegen Hoyerswerda den Platz an der Sonne zurückerobern.
Unter den neugierigen Augen des nach Verlustpunkten ärgsten Aufstiegskonkurrenten Radeburg zeigte sich bereits in den ersten Spielminuten, dass die aus einer aggressiven 6:0-Deckung aufspielende Koweg-Sieben unbedingt beide Punkte daheim behalten wollte. Im Gegensatz dazu gelang es dem vermeintlichen Favoriten aus der Loberstadt in der 1. Halbzeit weder im Angriff noch in der Abwehr auch nur einigermaßen Normalform zu erreichen. Der Ball lief nicht wie gewohnt durch die Delitzscher Reihen, wodurch das Angriffsspiel der Gäste ein ums andere Mal ins Stocken geriet. Dies wiederum führte dazu, dass sich die Concorden immer wieder in Einzelaktionen aufrieben, was in Mannschaftssportarten wie Handball traditionell keine gute Idee ist. Das wohl größte Manko in der ersten Hälfte war das Rückzugsverhalten – 8 von 15 Toren aus dem Feld erzielte Görlitz aus der 1. und 2. Welle oder über die schnelle Mitte. Da nützte es auch wenig, dass die Concorden den Gastgeber zumindest im Positionsangriff relativ gut im Griff hatten. Zu allem Übel konnten diesmal – ganz im Gegensatz zu den vorherigen Partien – auch die Torhüter Gabor Pulay und Max Neuhäuser keine Glanzpunkte setzen. Als es dann in den letzten Minuten vor dem Halbzeitpfiff auch noch einige überhastete Abschlüsse auf den Spielberichtsbogen des eifrig mitschreibenden Delitzscher Co-Trainers Martin Möhle schafften, war die Pausensirene fast schon eine kleine Erlösung.
Die Kabinenansprache des Delitzscher Cheftrainers Michael Schneider wird es wohl in sich gehabt haben, denn obwohl sich der Rückstand zunächst sogar noch auf 11:17 erhöhte, zeigten die Concorden nun ein deutlich verbessertes Rückzugsverhalten  und gingen im Abwehrverbund  endlich mit der nötigen Aggressivität zu Werke. Und tatsächlich, eine Viertelstunde vor Schluss war der Anschluss geschafft. Dank eines Doppelschlags von NHV-Routinier Marcel Ulrich führte Görlitz auf einmal nur noch 20:19. Doch so sehr sich die Delitzscher auch mühten, der Ausgleich wollte einfach nicht gelingen. Zwar konnte sich nun auch Gabor Pulay im NHV-Tor immer wieder mit schönen Paraden auszeichnen. Bedauerlicherweise landeten die Abpraller jedoch mit schöner Regelmäßigkeit beim Gegner, der diese Einladung dankbar annahm. Dazu gesellten sich Schiedsrichterentscheidungen, bei denen das Prädikat „merkwürdig“ noch geschmeichelt erscheint. Trotz allem müssen sich die Delitzscher den Vorwurf gefallen lassen, nicht wenigstens einen Punkt mitgenommen zu haben, denn Möglichkeiten gab es zur Genüge. Da passt es ins Bild dieses gebrauchten Tages, dass das letzte Delitzscher Tor – der vermeintliche Ausgleich – von den Neugersdorfer Schiedsrichtern zurückgepfiffen wurde, so dass die Hausherren den 26:25-Erfolg knapp über die Zeit retteten.
Der erkennbar konsternierte Delitzscher Co-Trainer Martin Möhle hatte anschließend Mühe, ein sachliches Fazit zu formulieren: „Ich bin sehr enttäuscht. Mit der ersten Hälfte können wir absolut nicht zufrieden sein. Sowohl im Angriff als auch in der Abwehr haben wir weit unter unseren Möglichkeiten gespielt. Kämpferisch gut war die 2. Halbzeit. Da hat sich jeder zerrissen und wir konnten den Rückstand fast noch aufholen. Leider sind wir häufig an den gerissenen Lücken im Görlitzer Abwehrverbund vorbeigelaufen und haben die falsche Wurfentscheidung getroffen.“ Auch der mit Schulterverletzung bis zum Saisonende ausfallende NHV-Torjäger Jan Jungandreas war untröstlich: „Da kämpfen wir uns nach einem 6-Tore-Rückstand noch einmal ran und bringen uns dann um die Belohnung.“ Dass es zur Stellenbeschreibung eines guten Trainers gehört, seine Schäfchen auch nach bitteren Niederlagen wieder aufzubauen, weiß auch Martin Möhle: „Letztendlich geht durch die Niederlage die Welt nicht unter. Wir müssen nun die Ruhe bewahren, die entsprechenden Lehren ziehen und nächste Woche in Hoyerswerda eine angemessene Reaktion zeigen.“

Donnerstag, 3. Dezember 2015

Saisonaus für Concordias Tormaschine

Die Anhänger des Delitzscher Handballs müssen nun sehr tapfer sein. Denn nach einer eingehenden Untersuchung im Delitzscher Kreiskrankenhaus steht seit Montagnachmittag fest, dass die rechte Schulter des Delitzscher Torschützen vom Dienst Jan Jungandreas am Samstag beim Sieg gegen den HC Elbflorenz den befürchtet schweren Schaden davongetragen hat und Jungandreas mit hoher Wahrscheinlichkeit in dieser Saison nicht mehr für den NHV auflaufen wird. Bereits am Dienstag wurde der Delitzscher an der Sportklinik Halle von Dr. Martin Pyschik operiert, ein ausgewiesener Experte für derartige Verletzungen.
Passiert ist das Malheur knapp zehn Minuten vor Spielende. Jan Jungandreas springt in Richtung Ball. Sein grob kalkuliert doppelt so hoher und dreimal so schwerer Gegenspieler Alexander Matschos springt nicht. Matschos ist einfach da. Jungandreas prallt ab, fällt, landet unsanft, krümmt sich vor Schmerzen und jeder im Publikum ahnt sofort Schlimmes. Diese Ahnung reifte am Montag zur Gewissheit. Zwar sind Bänder und Sehnen heil geblieben. Dran glauben musste jedoch die vordere Gelenklippe im rechten Schultergelenk – Riss im Labrum glenoidale, wie der Lateiner sagt. Während der normalsterbliche Nicht-Mediziner vermutlich einigermaßen problemlos durchs Leben kommt, ohne zu wissen, dass er eine Gelenklippe in sich trägt, ereilt Jan Jungandreas diese Erkenntnis bereits zum zweiten Mal. Vor acht Jahren zog er sich die selbe Verletzung schon einmal zu und musste ein halbes Jahr pausieren.
Wie wichtig der am Donnerstag 28 Jahre alt werdende Linkshänder für das Delitzscher Team ist, lässt sich schwarz auf weiß aus der Torjägerstatistik ablesen. Denn obwohl Jungandreas verletzungsbedingt in dieser Saison nur die Hälfte der bisherigen Spiele bestreiten konnte, führt er die vereinsinterne Torschützenliste mit 44 Toren aus fünf Spielen an. Auch gegen Elbflorenz war der gerade erst von einem Muskelfaserriss genesene Linkshänder mit elf Toren einmal mehr Topscorer.
Der Pechvogel war zunächst untröstlich, blickt aber auch schon wieder nach vorn und gibt sich kämpferisch: „Mit dem NHV aufzusteigen ist sportlich mein größter Wunsch. Dafür hab ich mich in den letzten Jahren zerfetzt und nun nicht mehr helfen zu können, ist unglaublich hart für mich. Ich bin mir aber absolut sicher, dass wir als Mannschaft stark genug sind und unser Ziel trotzdem erreichen werden. Ich werde die Jungs jetzt eben von der Tribüne oder Bank aus unterstützen und da volle Pulle geben.“
Auch Teammanager Christian Hornig sieht keinen Grund, vom ausgegebenen Saisonziel abzurücken: „So niederschmetternd diese Diagnose im Moment auch ist. Wir haben in dieser Saison schon viele positive Antworten gegeben auf die Herausforderungen die wir bisher zu bewältigen hatten. Mit Lucas Mittag und Clemens Liebezeit haben wir zwei sehr gute Linkshänder, die demnächst wieder komplett ins Mannschaftstraining einsteigen werden. Und unser ehemaliger Kapitän Marcus Leuendorf wird aushelfen, so oft er kann.“
Chefcoach Michael Schneider tüftelt derweil mit Co-Trainer Martin Möhle schon neue Taktiken aus: „Wir spielen gerade mit mehreren Ideen. Welche davon zum Tragen kommen werden, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Für Jan ist es natürlich verdammt schade. Aber er ist eine starke Persönlichkeit und diese Verletzung wird ihn nicht umhauen. So wie ich ihn kenne, wird er stärker zurückkommen als je zuvor.“
Jens Teresniak, Leipziger Volkszeitung vom 2.Dezember 2015