Freitag, 27. Mai 2016

Der große NHV-Umbau

Erst das Vergnügen, dann die Arbeit. So ungefähr lassen sich die vergangenen Wochen bei den Handballern des NHV Concordia Delitzsch zusammenfassen. Zunächst ließen es sich die Loberstädter nicht nehmen, den  Aufstieg in die Mitteldeutsche Oberliga feuchtfröhlich zu feiern. Unmittelbar im Anschluss begann allerdings schon die Arbeit. Vereinschef Axel Schüler und seine Vorstandskollegen rotieren nahezu rund um die Uhr, um die neue Saison vorzubereiten. Wie in jeder Sommerpause wird kräftig am Kader gebastelt. Zu den bereits feststehenden Abgängen Marcel Ulrich, Enrico Henoch und Clemens Liebezeit gesellten sich in den Tagen nach den Aufstiegsfeierlichkeiten Matthias Strehle, Thomas Grafe, Julius Hartmann, Ivo Doberenz sowie Co-Trainer Martin Möhle, die sich allesamt Sachsenligist HSG Neudorf/Döbeln angeschlossen haben, der künftig vom ehemaligen NHV-Coach Michael Schneider betreut wird.
Bei den Concorden tut sich dadurch eine Lücke auf, die größer ist als geplant. Die zu schließen, ist derzeit eine der Hauptaufgaben des Vorstands. Erste Erfolge sind bereits zu vermelden, zwei Neuzugänge stehen inzwischen fest. Der erste heißt Jonas Meiner, ist der jüngere Bruder von Sascha Meiner, der zu Delitzscher Bundesligazeiten jahrelang die linke Außenbahn beackerte. Auf dieser Position ist auch der fast 20- jährige Jonas zu Hause, der in der Jugend beachtliche Erfolge feiern konnte, wobei die Krönung im vergangenen Jahr die Deutsche Meisterschaft mit der A-Jugend des SC DHfK Leipzig gewesen sein dürfte. „Mich beeindruckt, mit welcher Leidenschaft beim NHV gearbeitet wird. Ich will leistungsorientierten Handball spielen. Deshalb bin ich an den Verein herangetreten“, erzählt Meiner.
Und auch der zweite Neuzugang entstammt der letztjährigen DHfK- Meistermannschaft. Daniel Sowada ist allerdings ein gutes Jahr jünger als Meiner und kann deshalb im diesjährigen Finale gegen den SC Magdeburg (Hinspiel am Sonntag in der Arena Leipzig) den Meistertitel sogar verteidigen. Parallel dazu sammelte Sowada in der gerade abgelaufenen Sachsenliga-Saison Erfahrungen in der Zwenkauer Männermannschaft und war unter anderem am Sieg der Randleipziger gegen Delitzsch beteiligt. Mit weiteren potenziellen Neuzugängen ist der Verein im Gespräch. Vor allem am Kreis klafft nach den Abgängen von Ulrich und Grafe eine Lücke. Vorstandschef Axel Schüler: „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir eine wettbewerbsfähige Mannschaft ins Rennen schicken werden. Aber natürlich können wir auch nur so viel Aufwand betreiben, wie es unsere Möglichkeiten hergeben. Über die mit dem Aufstieg in die Mitteldeutsche Oberliga gewachsene Aufmerksamkeit und breiter werdende Unterstützerschaft freuen wir uns in diesem Zusammenhang ganz besonders. Man spürt, dass der Funke auch im Umfeld überspringt.“
Für große Freude und Erleichterung sorgte derweil Linkshänder Lucas Mittag, der sich trotz hoch dotierter Angebote anderer Vereine dafür entschied, dem NHV treu zu bleiben. Bei einem weiteren Leistungsträger besteht zumindest noch die Chance, dass er auch in der kommenden Saison das NHV-Trikot überstreift. Malte Unkell stand wegen eines geplanten Medizinstudiums eigentlich schon fast als Abgang fest. Daraus wurde allerdings nichts. Nun hat Unkell sich für ein Studium in Ungarn beworben. Sollte das klappen, ist er weg. Andernfalls wird er zunächst ein Praktikum im Delitzscher Kreiskrankenhaus absolvieren und eine weitere Saison als Concorde auf Torejagd gehen. „Ich möchte sehr gern weiter für Delitzsch spielen, aber sollte ich die Chance in Ungarn bekommen, muss ich sie nutzen“, sagt Unkell. Der Bescheid aus Ungarn wird Mitte Juli erwartet.
Neuigkeiten gibt es auch in Sachen Spielstätte: So wie es aussieht werden die 14 Oberliga-Heimspiele (in der Sachsenliga waren es nur elf) zukünftig nicht mehr in der Artur-Becker-Halle ausgetragen, sondern im schicken Kultur- und Sportzentrum. NHV-Vize Steffen Menzel: „Bei unseren bislang seltenen Gastspielen im KSZ war das Feedback immer dasselbe. Sowohl die Sportler als auch unsere Zuschauer wollen ins KSZ. Und natürlich können wir hier auch unseren Sponsoren eine ganz andere Plattform bieten.“ Das trifft sich gut, denn die moderne Halle ist im Vergleich zur Becker-Halle mit ihrem – nett formuliert – morbiden Charme auch merklich teurer.
Jens Teresniak, Leipziger Volkszeitung vom 27.Mai 2016

Donnerstag, 28. April 2016

"Stamm der Mannschaft bleibt"

Lange wurde in der Loberstadt gerätselt, mit wem der NHV Concordia Concordia im Herbst das Abenteuer Mitteldeutsche Oberliga angehen würde. Da sich die Vereinsverantwortlichen der enormen Schwere der Aufgabe in der höheren Liga bewusst sind, ließen sie sich vergleichsweise viel Zeit, um am Ende eine wohlüberlegte Entscheidung zu treffen. Nachdem eine Vielzahl von Namen rauf und runter diskutiert wurde, fiel die Wahl schließlich auf den 45-jährigen Wladimir Maltsev. Der ist in Delitzsch alles andere als ein Unbekannter, stand ab 2001 acht Jahre lang für die selige Concordia in Liga 1 und 2 auf der Platte und machte in dieser Zeit in knapp 250 Spielen mehr als 1000 Tore. Anschließend trainierte der B- Lizenz-Inhaber die A-Jugend-Bundesligamannschaft der Handballakademie Delitzsch/Leipzig sowie Nachwuchsteams des NHV. Als bei den Delitzscher Sachsenliga-Männern vor anderthalb Jahren der personelle Notstand ausbrach, kehrte der Vollbluthandballer im „biblischen“ Alter von 44 Jahren sogar noch einmal selbst aufs Parkett zurück und steuerte drei Tore zum knappen Sieg gegen Döbeln bei. Kurzum: „Wladi“ darf mit Fug und Recht als Delitzscher Handballikone bezeichnet werden.
 
Herzlichen Glückwunsch zum Posten des Cheftrainers beim Oberliga-Aufsteiger. Wie kam es dazu und was hat den Ausschlag für Ihre Zusage gegeben?
Dank für die Glückwünsche. Der Vorstand des Vereins hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, als Trainer der Männermannschaft tätig zu werden. Da musste ich nicht lange überlegen. Die Entscheidung, den NHV Concordia Delitzsch in der Mitteldeutschen Oberliga zu trainieren, ist mir sehr leicht gefallen. Entsprechend schnell waren wir uns auch mit dem NHV-Vorstand einig. Für mich geht ein Traum in Erfüllung, auf diesem Niveau im Männerbereich zu arbeiten.
 
Sie kennen den größten Teil der Mannschaft bereits gut. Nun wird es nach Ende dieser Saison aus überwiegend beruflichen Gründen wiederum einen personellen Umbruch geben. Dennoch: Wie ist Ihr Eindruck von Ihrem neuen Team?
Der Stamm dieser wirklich gut funktionierenden Mannschaft bleibt auch in der nächsten Saison bestehen. Und das ist das Wichtigste, denn auf diesem Stamm, auf dieser Basis werden wir die Mannschaft weiter aufbauen.
 
Gibt es bereits Neuzugänge für die neue Saison?
Wir führen derzeit mehrere Gespräche mit interessanten Kandidaten. Aber um etwas Konkretes zu sagen, ist es noch zu früh. Wir haben ein bestimmtes Budget dafür zur Verfügung, und dieses werden wir einhalten.
 
Die Mitteldeutsche Oberliga weist eine enorme Leistungsdichte auf. Können Sie schon etwas zu den sportlichen Zielen sagen?
Als Aufsteiger wird es für uns von Anfang an darum gehen, dass wir uns möglichst schnell in der vierten Liga, der Mitteldeutschen Oberliga, etablieren. Daran werden wir in jedem einzelnen Training und natürlich bei den Spielen sehr hart arbeiten.
 
Was ist Ihr Fahrplan bis zum Beginn der neuen Saison im Herbst? Woran werden Sie arbeiten?
Wir wollen und werden uns bestmöglich auf die kommende Saison vorbereiten. Dabei möchte ich vor allem auf ein hohes Tempo und ein gutes Zusammenspiel setzen. Das wird für uns in der kommenden Saison in der neuen Liga enorm wichtig sein.
Interview Jens Teresniak, Leipziger Volkszeitung vom 27.April 2016

Sonntag, 24. April 2016

NHV - SV Koweg Görlitz 26:22 (14:10)

NHV Concordia Delitzsch steigt als Sachsenmeister auf

Es war ein Abend des Erfolgs, aber auch des Abschieds. In der Handball- Sachsenliga gewann der NHV Concordia Delitzsch gegen SV Koweg Görlitz 26:22 (14:10) und sicherte sich damit den Sachsenmeistertitel. Die Delitzscher spielen in der nächsten Saison in der Mitteldeutschen Oberliga. Vor der Partie wurden vier Spieler und der Trainer mit viel Beifall verabschiedet.
Das war ein Handballfest der Superlative in der Delitzscher Artur-Becker-Halle. Sie war am Sonntagnachmittag komplett ausverkauft. Damit die Görlitzer Fans auch noch ein Plätzchen fanden, rückten alle ziemlich eng zusammen. Die Stimmung war fantastisch, die Leistung auf dem Parkett ebenso. Dort trafen in der Sachsenliga zwei Spitzenmannschaften aufeinander, die sich nichts schenkten und trotzdem jederzeit fair miteinander agierten. Der Tabellenführer NHV Concordia hatte den Dritten, SV Koweg Görlitz, zu Gast. Das Spiel endete 26:22 (14:10). Am Ende gab es zahlreiche Glückwünsche, Bier und Sektduschen für alle Beteiligten, manchmal auch für Unbeteiligte. Der Grund ist berechtigt: Der NHV Concordia Delitzsch ist Sachsenmeister, steigt nach guten vier Jahren Anlauf in die Oberliga auf.
„Wir sind endlich dort, wo wir eigentlich schon lange sein wollen. Heute holen wir uns den Lohn für eine erfolgreiche Saison ab“, fasste der Interimstrainer der Delitzscher, Christian Hornig, stolz zusammen. Er hatte die Mannschaft im Januar übernommen, nachdem der NHV- Vorstand der Auffassung war, dass Michael Schneider das Ziel mit der Mannschaft nicht erreichen könne. Offenbar brauchte das Team die neuen Akzente, wie sich in der zweiten Hälfte der Saison zeigte. Worauf der neue Coach besonders Wert legte, zeigte sich faktisch im Verlauf des letzten Spieles. Hornig wird das Traineramt niederlegen und künftig die Geschäftsstelle des NHV Concordia betreuen. Nachfolger wird, wie berichtet, Wladimir Maltsev.
Das war aber nur der erste Abschied des Abends. Mit ihm werden auch vier Spieler die Mannschaft verlassen. Stefan Voigt wird definitiv nicht mehr zur Verfügung stehen. Der Kreuzband-Verletzte griff dem Team jeweils nur bei einem Personalengpass unter die Arme. Auch Marcel Ulrich, Enrico Henoch und Clemens Liebezeit widmen sich künftig neuen Aufgaben. Vor Spielbeginn wurden sie alle mit viel Beifall bedacht.
Ebenso laut, mit voller Begeisterung und Herz waren die Zuschauer auch beim Spiel selbst bei der Sache. Auch dort gab es allen Grund dazu. Von Anfang an waren die Delitzscher mit höllischem Tempo unterwegs. Die Gäste schienen davon zunächst überrascht, fingen sich aber alsbald, liefen dennoch immer einem teils Sieben-Tore-Rückstand hinterher. Vor allem in der Abwehr leisteten die Concorden ganze Arbeit, griffen beherzt und konzentriert zu. Die Abstimmung lief reibungslos. Sie sind mit Recht die beste Abwehr der Sachsenliga. In den beiden Torwarten, Max Neuhäuser und Gabor Pulay, hatte das Team zudem jederzeit den Rückhalt, den es brauchte.
Der Mannschaft um den Görlitzer Trainer Petr Masat gelang zeitweise kein geordneter Aufbau, technische Fehler summierten sich, die die Gastgeber unbarmherzig ausnutzten. Das kratzte an den Nerven. „Delitzsch hat verdient gewonnen. Glückwunsch zum Titel. Wir haben alles gegeben, aber es hat diesmal nicht gereicht“, bemerkte Koweg- Coach Masat. Von einer Bierdusche seiner Mannschaft blieb auch er nicht verschont. Die Görlitzer wurden Dritter und feierten den Erfolg überschwänglich. Vor dem Hintergrund, dass sie nicht wissen, wie es mit dem Männerhandball im Dreiländereck weitergeht, ist das nur zu gut zu verstehen.
„Ich bin mit den Leistungen meiner Jungs auf allen Positionen diesmal sehr zufrieden. Ich fühle mich jetzt richtig gut“, erzählte Christian Hornig. „Man hat in jeder Phase der Partie gesehen, dass wir den ersten Platz wirklich wollten.“ Das machte es für die Görlitzer natürlich besonders schwierig, ins Spiel zu kommen. Die Concorden hatten zudem den Spaß auf ihrer Seite. Der ließ auch nicht nach, als die Medaillen und die Meisterschaftsschale übergeben wurden. Der Fanclub „Die Loberhaie“ hatte noch eine besondere Überraschung parat: Es gab eine Torte, die von der Mannschaft ohne Messer und Löffel verkostet wurde.
Ditmar Wohlgemuth, Leipziger Volkszeitung vom 26.April 2016

Sonntag, 17. April 2016

HC Elbflorenz Dresden II - NHV 22:23 (12:11)

Es ist geschafft! NHV steigt in die Oberliga auf

Auf Wiedersehen Sachsenliga – Willkommen in der Mitteldeutschen Oberliga: Nach dem hochemotionalen Sieg gegen Hoyerswerda und den Niederlagen der Konkurrenten aus Görlitz und Radeburg, wollte der NHV Concordia Delitzsch den Oberliga-Aufstieg am vergangenen Wochenende vorzeitig perfekt machen. Das gelang – die Mannschaft von Trainer Christian Hornig setzte sich beim HC Elbflorenz II in Dresden mit 23:22 (11:12) Toren durch.
Kurz vor Ende des Drittligaspiels von Elbflorenz trafen die rund 70 Fans aus Delitzsch ein. Somit war klar, dass für eine lautstarke Unterstützung gesorgt ist. Die Stimmung war prächtig, vor allem als die Fans von der 22:26-Niederlage der Radeburger gegen die Spielgemeinschaft Leipzig/Zwenkau hörten. Damit war der Sachsenliga-Spitzenreiter bereits sicher in der Oberliga – trotzdem wollten die und Fans einen Auswärtssieg.
Delitzsch kam super ins Spiel und führte schnell mit 5:2 und es sah zu diesem Zeitpunkt nach einem lockeren Sieg aus. Doch dann kam irgendwie der Schlendrian ins Spiel, viele vergeben Würfe und in der Abwehr taten sich immer wieder große Lücken auf. Dresden kam dadurch nicht nur zurück ins Spiel, sondern führte auf einmal! So sah sich Christian Hornig gezwungen, eine Auszeit zu nehmen. Und für Gabor Pulay kam nun Max Neuhäuser ins Spiel. Ein Wechsel, der sich sofort bezahlt machte. Mit zahlreichen Paraden sorgte er dafür, dass Delitzsch bis zur Pause dranblieb und nur einem knappen Rückstand hinterherlaufen musste.
Wer nun dachte, dass Dresden in der zweiten Halbzeit einbrechen würde, der sah sich getäuscht. Der Gastgeber hatte immer eine Antwort parat und so wogte das Spiel hin und her. 
Beide Torhüter entschärften reihenweise Bälle, doch zum Glück hatte der angeschlagene Danny Trodler in der zweiten Halbzeit das Zielwasser gefunden und erzielte seine acht Tore allesamt in dieser Halbzeit. Als Delitzsch kurz vor Schluss mit 23:21 in Führung ging, schien alles auf einen Sieg hinauszulaufen. Aber anscheinend liebt die Mannschaft die Dramatik. Wie schon beim Heimsieg gegen Hoyerswerda hatte auch Dresden kurz vor Schluss noch die Chance auf den Ausgleich, doch der überragende Max Neuhäuser entschärfte auch diese Möglichkeit. Der Rest war blau-weißer Jubel auf dem Parkett und auf den Rängen. Der Aufstieg ist dem NHV Concordia nicht mehr zu nehmen. Die Mannschaft will nun natürlich als Sachsenmeister den Aufstieg feiern und hofft zum Abschluss am kommenden Sonntag (16 Uhr) gegen den SV Koweg Görlitz auf eine rappelvolle Beckerhalle.
Sven Sauerbrey, Leipziger Volkszeitung vom 18.April 2016

Samstag, 9. April 2016

NHV - LHV Hoyerswerda 22:21 (13:13)

Delitzsch ist zurück an der Spitze

Es war ein denkwürdiger Handballsamstag im fast ausverkauften Delitzscher Kultur- und Sportzentrum. Etwa 750 Zuschauer sahen ein hochemotionales, unfassbar intensives Sachsenliga-Spitzenspiel zwischen den Hausherren des NHV Concordia und dem bisherigen Primus LHV Hoyerswerda. In einer dramatischen Schlussphase brachten die Gastgeber den 22:21-Sieg über die Ziellinie, weil der ohnehin herausragende Gábor Pulay im Kasten den letzten Wurf der Gäste entschärfte. Der Rest ging im kollektiven Jubel unter. Der NHV grüßt wieder von Platz eins und hat die Meisterschaft nun in den eigenen Händen.
Trainer Christian Hornig wirkte nach dem Abpfiff gelöst, ja fast schon erlöst: „Wir haben ein richtig gutes Spiel gemacht, gerade in der Abwehr. Da haben wir ein funktionierendes System und mit Gábor einen großen Rückhalt.“ Nur ganz so spannend hätte das Spiel aus Trainersicht nicht sein müssen. „Wir belohnen uns zu oft nicht, hauen die Dinger in die Prärie. Das ist natürlich auch Nervensache. Wir haben nun einmal viele junge Leute dabei.“ Aber auch einige alte Haudegen. So wurde abermals Stefan Voigt reaktiviert, blieb diesmal jedoch angeschlagen 60 Minuten auf der Bank.
Damit gab mal wieder Marcel Ulrich den Alterspräsidenten der Hausherren. Selbst „Ulle“ ließ sich von der lautstarken Kulisse beeindrucken. Als er völlig frei in den Kreis segelte und den Ball aus fünf Metern per Aufsetzer vier Meter übers Tor drosch, passte das zur hektischen Anfangsphase seiner Mannschaft. Glücklicherweise ging auch Hoyerwerda fahrlässig mit den Chancen um, so dass es nach zehn Minuten gerade einmal 1:3 stand. Jetzt zog das Tempo deutlich an. Delitzsch kaum ins Laufen und ging nach einer Viertelstunde erstmals in Führung. Von nun an wogte die Partie hin und her wie das Hochgeschwindigkeitsspiel der Concorden, zwischen Genie und Wahnsinn, zwischen technischen Fehlern und grandiosen Kombinationen. „Ruhig können wir nicht“, meinte Hornig. So ging nach einem teils wilden Schlagabtausch mit 13:13 in die Pause.
Ein Remis würde dem NHV freilich nicht zur Tabellenführung reichen und so trat das Team nach dem Wechsel noch entschlossener auf, führte fast die gesamte zweite Halbzeit lang, ehe die Gäste sechs Minuten vor dem Ende zum 20:20 ausglichen. Die letzten Zuckungen der Partie gehörten zu den nervenaufreibendsten Darbietungen der jungen NHV- Vereinshistorie. Die Begegnung war zu diesem Zeitpunkt an Verbissenheit und Einsatz kaum noch zu überbieten. Zahllose Unterbrechungen und Zeitstrafen ließen den Spielfluss zerbröseln. Lukas Mittag musste nach einem Schlag ins Gesicht vom Linoleum. Den Überblick im Chaos behielt NHV-Spielmacher Patrick Baum, der die letzten beiden Treffer seiner Mannschaft erzielte, selbst nach einem vergebenen Siebenmeter die Ruhe bewahrte. „Ich habe gemerkt, dass sie recht defensiv stehen und einfach immer wieder versucht, zu werfen“, erklärte Baum das vergleichsweise simple Erfolgsrezept. Vor allem aber hing der Triumph an der überragenden Delitzscher Defensivleistung. „Wir haben gekämpft wie die Schweine“, sagte Julius Hartmann. Mehr als das: Kurz vor dem Ende warf sich Thomas Grafe in seinen Gegenspieler, um den Ausgleich zu verhindern, sah logischerweise die Rote Karte. Vier Sekunden und ein Freiwurf blieben Hoyerswerda, um doch noch einen Punkt mitzunehmen. Ausgerechnet der bis dahin völlig glücklose Lukasz Stodtko bekam den letzten Wurf – und scheiterte an Pulay. Es war gleichzeitig der Kulminations- und Schlusspunkt einer Partie, deren Protagonisten man den Druck anmerkte.
Zum großen Ziel Oberliga-Aufstieg fehlen der Concordia noch zwei Schritte. Am Sonnabend geht es zum HC Elbflorenz II, ehe zum Saisonabschluss am 24. April Koweg Görlitz, das auch noch Chancen auf die Meisterschaft hat, am Lober gastiert. Aber mit dramatischen Schlussphasen kennen sie sich in Delitzsch ja mittlerweile bestens aus.
Johannes David, Leipziger Volkzeitung vom 11.April 2016