Samstag, 31. Oktober 2009

Concordia siegt erstmals gegen Groß-Bieberau

Delitzsch. Von einer Favoritenrolle wollte Delitzschs Handball-Lehrer Uwe Jungandreas vor und nach der Zweitliga-Partie gegen die TSG Groß-Bieberau am Sonnabend im Kultur- und Sportzentrum nichts wissen, auch wenn die Fakten dann doch darauf hindeuteten. Die Odenwälder sind derzeit das auswärts schwächste Team der Gruppe Süd. In fremden Hallen holten sie bisher noch keinen Punkt. Auch diesmal fuhren sie ohne Erfolg im Gepäck zurück. Beim 29:24-Erfolg der Blau-Weißen (Halbzeit 15:13) kamen die Gäste zwar nicht unter die Räder, doch von einem Debakel war Groß Bieberau nicht weit entfernt.Einzig und allein die Delitzscher hatten es in der Hand, den Liga-Kontrahenten vorzuführen. Es gelang ihnen aus den unterschiedlichsten Gründen nicht. Vor allem die unpräzisen Würfe im zweiten Abschnitt waren es, die Groß-Bieberau vor einer höheren Niederlage bewahrten. Die Nordsachsen ließen von Beginn an keinen Zweifel daran, dass sie gewillt waren, die beiden Punkte zu holen. Die Concorden überrannten die Gäste förmlich. Kapitän Thomas Oehlrich eröffnete den Torereigen. Waren beim erfolgreichsten Werfer der Delitzscher – sieben Treffer – nicht gleichzeitig drei Gegner zur Stelle, war es um TSG-Torwart Felix Beck geschehen. Chancenlos musste er zusehen, wie ein um das andere Mal der Ball im Netz zappelte. Fast zehn Minuten dauerte es, bis die Truppe von Thomas Göttmann erstmals traf. Da stand es aber bereits 7:0 für die Hausherren. Die hatten übrigens diesmal auf dem Hallenboden einen viel besseren Stand als zuletzt. Die Verantwortlichen hatten sich die Kritik an der übermäßigen Glätte offenbar zu Herzen genommen. TSG-Coach Göttmann hoffte bis zum 9:1 für Concordia noch, seine Jungs würden von selber aufwachen. Taten sie aber nicht. Sie schienen völlig neben sich zu stehen. Später hieß es, die 450 Kilometer lange Anreise habe sich negativ ausgewirkt. Nach dem ersten Timeout der Schwarz-Gelben schien der Knoten geplatzt zu sein. Unmerklich schoben sie sich über die Stationen 10:5, 12:8 und 15:12 heran. Den Treffer zum 15:13-Pausenstand schaffte Maximilian Schubert.Doch es war nicht der Verdienst der Gäste, herangekommen zu sein. Die Delitzscher wurden in Erwartung eines einfachen Start-Ziel-Sieges leider zu nachlässig. Und dies sowohl in der Offensive als auch in der Defensive. Während Gabor Pulay im Concordia-Tor wieder bestechende Konstanz aufwies – mehr als zwei Dutzend gehaltene Bälle weist die Statistik auf –, fehlte eben diese seinen Vorderleuten. Für Trainer Jungandreas Grund genug, sich mehrfach die Haare zu raufen und in Rage zu geraten.In der zweiten Halbzeit hatten sich die Gastgeber besser im Griff, kamen jetzt auch mit dem neuen Abwehrsystem der Bieberauer besser klar. Das hatte Göttmann als Überraschung mit an den Lober gebracht. Dramatisch wurde es, als Alexej Rybakov im Nachwurf das 16:17 für sein Team erzielte. Der Ausgleich lag in der Luft, gelang den Gästen letztlich aber nicht. Stattdessen zogen Oehlrich & Co. ihr Spiel auf, in dem Rene Boese mit sechs Treffern – die Mehrzahl durch Tempogegenstöße – herausragte.Groß-Bieberau gab aber nicht auf, versuchte mit kurzzeitigen Manndeckungen gegen Steve Baumgärtel und Till Riehn den Vormarsch der Blau-Weißen zu stoppen. Es blieb beim Versuch. Die gut 600 Zuschauer in der Halle sahen eine Partie, in der es den Concorden an der kämpferischen Einstellung nie mangelte. Das sollte Selbstvertrauen geben. Nächste Woche geht es zum Bergischen HC.
Ditmar Wohlgemuth, Leipziger Volkszeitung vom 02. November 2009
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Concordia: Pulay (20 Paraden), Bliß (n.e.) ; Streitenberger (2), Akatsuka (n.e.), Jacob (4), Seitle, Riehn (5/2), Baumgärtel (5), Müller (n.e.), Boese (6), Pietzsch, Telehuz, Oehlrich (7), Warmuth.

Groß-Bieberau: Beck (15/1 Paraden), Hümmer (n.e.) ; D.Rybakow (4), A.Rybakow (2), Kossler (3), Konrad (3), Knobloch (2), Laurencz (3), Gerber, Schellhaas, Schubert (6), Göbel (1), Bauer.

Zeitstrafen: Concordia 6x2 Minuten (jeweils 1x2 Minuten Baumgärtel, Boese, Telehuz, Oehlrich, Jacob und Riehn) ; Groß-Bieberau 6x2 Minuten (3x2 Minuten Laurencz, 2x2 Minuten A.Rybakow, 1x2 Minuten Göbel)

Rote Karte: Laurencz (nach 3x2 Minuten)

Siebenmeter: Concordia 3/2 (Baumgärtel scheitert an Beck) ; Groß-Bieberau 0

Zuschauer: 800

Fotos vom Spiel:
Concordia Delitzsch vs. TSG Groß-Bieberau

Freitag, 30. Oktober 2009

„Das ist nur auf dem Papier eindeutig“

Delitzsch. Wenn eines der auswärtsschwächsten Teams der Liga bei einem der heimstärksten Aufgebote antreten muss, ist zumindest die Favoritenrolle schon im Vorfeld vergeben. Denn die obliegt beim Duell gegen die Turn- und Sportgemeinschaft (TSG) Groß-Bieberau eindeutig der gastgebenden Mannschaft von Trainer Uwe Jungandreas. Dessen Concorden stehen mit beachtlichen 12:6 Punkten (sechs Siege/drei Niederlagen) auf dem dritten Tabellenplatz.Der Kontrahent aus Hessen hingegen rangiert mit 8:10 Zählern nur auf Platz elf. Der Neunte der abgeschlossenen Saison offenbarte zudem in dieser Spielzeit eine gewaltige Auswärtsschwäche: Denn fernab der heimischen Großsporthalle konnten die Jungs um Trainer Thomas Göttmann bislang noch keinen einzigen Punkt erkämpfen.Auf der sicheren Seite will sich Jungandreas aber nicht sehen. „Das ist nur auf dem Papier eindeutig“, sagt der 47-Jährige. Der Delitzscher Handballlehrer will die Odenwälder aufgrund mehrerer Aspekte nicht unterschätzen. Erstens: „Nach deftigen Pleiten steht Groß-Bieberau immer wieder auf.“ So geschehen beispielsweise nach der fast schon blamablen 19:35-Niederlage beim Aufsteiger Neuhausen, nachdem sich die Truppe gegen Coburg mit einem 33:24-Sieg rehabilitierte. Der zweite Grund, weshalb Jungandreas die „Göttmänner“ keinesfalls unterbewertet: „Wir haben in der vergangenen Saison beide Spiele verloren.“ Rückblick: Beim Hinspiel unterlagen die Nordsachsen mit 31:34 Toren, im Kultur- und Sportzentrum triumphierte die TSG Ende April mit 36:32 Treffern.Personell jedenfalls kann Concordia ein äußerst starkes Aufgebot auf das Parkett schicken. Martin Hummel (heute Schambein-Operation), Sascha Meiner (Knieprobleme) und Sebastian Donath (Meniskusbeschwerden) fallen zwar aus. Dafür jedoch sind Leistungsträger wie Steve Baumgärtel, René Boese, Thomas Oehlrich, Philipp Seitle und Till Riehn fit. Auch Gabor Pulay steht wie immer im Tor der Delitzscher. Ersatz-Mann Sebastian Bliß hatte zwar im Spiel gegen Erlangen überzeugt, muss aber am Sonnabend wieder vorerst auf der Bank Platz nehmen. „Ich habe mich riesig gefreut, wie er gespielt hat“, sagt Jungandreas, aber „schließlich macht eine Schwalbe noch lange keinen Sommer.“
Daniel Kaiser, Leipziger Volkszeitung vom 30. Oktober 2009

Sonntag, 25. Oktober 2009

Wenn der Worst-Case eintritt...

...so geschehen bei der Auslosung zum Achtelfinale des DHB-Pokals! Concordia Delitzsch trifft zwar auf einen sehr attraktiven Gegner, muss dafür aber ins Baden-Würtenbergische Göppingen reisen. Dass beim Erstligisten FrischAuf! kein Blumentopf zu gewinnen ist und die Delitzscher Fans von dem Zusammentreffen von Lars Kaufmann und Blau-Weiß nur sehr wenig haben, bedarf sicherlich keinerlei Erwähnung. Klaus-Dieter-Petersen verdirbt der Concordia so den perfekten Abschluss einer ansonsten sehr erfolgreichen Woche. Die Achtelfinals werden am 16. Dezember ausgetragen.
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Die Achtelfinalpaarungen in der Übersicht:
HC Erlangen - TuS N-Lübbecke
Frisch Auf Göppingen - 1. SV Concordia Delitzsch
Rhein-Neckar Löwen - MT Melsungen
HBW Balingen-Weilstetten - HSV Hamburg
VfL Bad Schwartau - TUSEM Essen
Bergischer HC -TSG Friesenheim
SG Flensburg-Handewitt - THW Kiel
VfL Gummersbach - SV Anhalt Bernburg

Samstag, 24. Oktober 2009

HC Erlangen - Concordia 21:24 (13:13)

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Die Neun-Minuten-Show des Sebastian Bliß
Erlangen. Die mittelfränkische Festung ist eingenommen: Dem Handball-Zweitligisten Concordia Delitzsch gelingt am Sonnabend zur späten Abendstunde, woran bislang die versammelte Südstaffel-Konkurrenz zerbricht. Die Nordsachsen bezwingen den HC Erlangen in der Karl-Heinz-Hiersemann-Halle mit 24:21 (Halbzeitstand 13:13) Toren und klettern auf Rang drei der Tabelle. Entscheidenden Anteil am sechsten Saison-Sieg hat Torwart Sebastian Bliß, der bei seinem erst zweiten Einsatz in den Schlussminuten der packenden Begegnung zum Matchwinner wird.Immer wieder reißt Sebastian Bliß die Arme nach oben, ballt die Hand zur Faust. Er schaut nach rechts. Hoch zu den 50 mitgereisten Concordia-Fans, die dem 19-Jährigen mit frenetischem Beifall das Adrenalin in die Adern schießen lassen. Dann wendet er sich nach links, sucht den Blickkontakt mit Trainer Uwe Jungandreas. Er wirkt gehemmt. In seinen Augen liegt Unsicherheit. War das richtig? Mach ich das gut? Reicht das?Die Reaktion seiner euphorischen Kameraden verrät: Ja, das war großartig! Ja, du bist der Held! Ja, das reicht! Als die befreiende Schluss-Sirene ertönt, hält es keinen Blau-Weißen auf der Bank. Die versammelte Truppe stürmt auf das Parkett, umringt den überglücklichen 1,94-Meter-Mann, der bei seinem neunminütigen Einsatz fünf Bälle der Mittelfranken pariert und lediglich ein Tor aus dem Spiel heraus kassiert. Als Jungandreas seinen Joker in der 51. Spielminute für Gabor Pulay ins Rennen schickt, liegen die Gastgeber noch mit 20:19 Treffern in Front. Als die HC-Torkanone Guillaume Laout anschließend erstmals am quirligen Torwart- Bubi versagt, kippt eine spektakuläre Begegnung, die bis dato eigentlich keinen Sieger verdient hatte.Bliß selbst ist nach der Partie sprachlos, erwidert die anerkennenden Gesten seiner Jungs mit Wortfetzen – „Geil“, „Das ist der Hammer“. Später verteilt er bescheiden denen Lorbeeren, die zweifelsohne ihm zustehen: „Die Abwehr stand super. Das waren alles ganz einfache Bälle, die ich gehalten habe.“Während der Matchwinner von seinen treuen Fans gefeiert wird, bleibt nur ein Anhänger auf der Tribüne sitzen. Überwältigt von den Eindrücken. Stolz, glücklich und mit Tränen in den Augen. Es ist Angela Bliß. Die Mutter von Sebastian alias „Krabbmann“ hat den erst zweiten Bundesliga-Einsatz ihres Sohnes beinahe verpasst. Denn gemeinsam mit Vater Tilo steht sie eine geschlagene Stunde im Stau.Besonders bitter: Lediglich 15 Kilometer trennen die Gymnasiallehrerin auf der A 73 von der Universitätsstadt – und ihrem Sprössling. Ein Motorradunfall hat die Autobahn komplett lahmgelegt. Die Delitzscherin kommentiert später: „Gott sei dank sind wir zur zweiten Halbzeit angekommen.“ Doch jener zweite Abschnitt lässt zunächst einen solch positiven Ausgang für die Gäste keineswegs erahnen.Denn das Team von Trainer Frank Bergemann setzt sich zunehmend ab. Schier unzählige verworfene Bälle lassen die Trommeln des Fanclubs „Erste Reihe“ ab der 41. Minute kurzzeitig gänzlich verstummen. Die Mittelfranken sind bereits auf 19:16 Treffer enteilt. Die Vorentscheidung scheint gefallen. Die 1300 Zuschauer im ausverkauften HC-Kessel erwarten stehend und applaudierend den nordsächsischen Knockout. Doch die „Bergemänner“ spielen plötzlich wie gehemmt – sie scheitern beim 20:20 nach fünfminütigem Schlagabtausch schließlich an den Treffern eines nie aufgebenden René Boese, eines stets motivierenden Concordia-Kapitäns Thomas Oehlrich, eines kämpfenden Ulrich Streitenberger und eines aufopferungsvollen Eric Jacob – und natürlich an der Neun-Minuten-Show des Sebastian Bliß.
Daniel Kaiser, Leipziger Volkszeitung vom 26. Oktober 2009
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Concordia: Pulay, Bliß; Müller, Akatsuka, Streitenberger (3/2), Hummel, Baumgärtel (2), Oehlrich (6), Warmuth, Boese (6), Jacob (4), Riehn (2), Seitle (1).
Erlangen: Bayerschmidt, Zapf; Schwandner (2), G. Münch (1), Heimansfeld, H. Münch (1), Krämer (4), Wannenmacher (3), Kirchner, Nienhaus, Schmidtke, Stumpf (2), Laout (6/4).
Siebenmeter: Concordia 5/2 (Riehn, Baumgärtel und Streitenberger scheitern), Erlangen 5/4 (Laout wirft über das Tor)
Zeitstrafen: Concordia 4x2min, Erlangen 4x2min

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Tabellenspitze oder Tabellenniemandsland?

Nachdem unsere Concordia die letzten beiden Spiele erfolgreich bestreiten konnte, muss sie nun eine schwere Auswärtsreise nach Erlangen antreten. Diese Partie steht, auch wenn dies erst auf den zweiten Blick ersichtlich wird, unter einem ganz besonderen Stern. Sie wird die Weichen für die Zukunft stellen: Entweder gelingt das Festsetzen in der Spitzengruppe der 2. Liga Süd oder man versinkt im Niemandsland der Tabelle. Nicht das Letzteres als allzu tragisch anzusehen wäre, denn in Erlangen kann man durchaus verlieren, doch würde es nicht Viele freuen, wenn wir zukünftig die Großen, wie den Bergischen HC oder die TSG Friesenheim, ärgern könnten?
Dass sich Erlangen gegenwärtig auf einem überragenden 4. Platz wiederfindet, hat vor allem einen Grund: Der HC ist extrem heimstark! Dies dokumentieren deutliche Siege gegen Friesenheim (41:30!!!) und Düsseldorf im Pokal (32:28). Letztlich sind die Erlangener punktgleich mit der Concordia, haben jedoch eine bessere Torbilanz. Niederlagen in Saarlouis, Korschenbroich und Essen verhinderten eine absolute Topplatzierung. Zwei jener Gegner hat Concordia im übrigen schon auswärts besiegt. Warum soll also ein doppelter Punktgewinn nicht auch in Erlangen möglich sein?
Möglich ist er mit Sicherheit, doch kommt erschwerend für die Delitzscher hinzu, dass Uwe Jungandreas wohl nicht nur auf Hummel und Seitle verzichten muss, sondern nun auch Cristian Telehuz ausfällt. Er verletzte sich im Spiel gegen Bietigheim. Eine genauere Diagnose ist noch nicht bekannt.
Freuen kann sich die Mannschaft, dass sie Unterstützung von den Loberhaien erhalten wird. Sie reisen mit nach Bayern und werden wie immer kräftig für Blau-Weiß trommeln.
UPDATE: Neben den Leistungsträgern Martin Hummel und Philipp Seitle muss Uwe Jungandreas auch auf beide Defensivkräfte Alexander Pietzsch und Cristian Telehuz verzichten.