Samstag, 16. November 2013

NHV - HVH Kamenz 35:25 (20:12)

NHV zündet den Turbo

Pflichterfüllung in beeindruckender Manier: Nach zuletzt nicht immer überzeugenden Auftritten hat der NHV Delitzsch am Sonnabend den HVH Kamenz mit 35:25 (20:12) Toren aus der Becker-Halle gefegt. So grüßen die Mannen von Trainer Micheal Schneider in der Tabelle weiter von Platz eins - einen Punkt vor Aufstiegs-Erzrivale Zwickau.
"Das war mal 'ne Reaktion", jubilierte NHV-Mannschaftsleiter Sören Raab nach dem Ende der einseitigen Angelegenheit und ging sogleich ins Detail: "Tempo-Handball vom Allerfeinsten, herrliche Kombinationen und richtig geile Stimmung." Die verzückten Schlachtenbummler labten sich am Verwöhn-Programm auf dem Parkett, wo die Hausherren von Sekunde Numero uno an die Kamenzer Häschen scheuchten, in die Verzweiflung trieben. Deren offensive Deckung lud zu wunderbaren Spielereien ein, so dass Shinn Uematsu bereits nach fünf Minuten Jacob Schlichter per Kempa-Trick anspielte. Die Edel-Aushilfe vollendete den Traumpass im Fliegen per Lupfer.
Ob sich Schlichter noch einmal das NHV-Trikot überstreift, ehe es ihn beruflich in die Ferne zieht, ist offen. Am Sonnabend hatte er jedenfalls noch einmal einen hübschen Anteil am federleichten Concordia-Auftritt. "Wie er am Anfang gezaubert hat - Wahnsinn", sagte Teamkollege Frank Bönke. Doch auch der Rest der Mannschaft kam in Sachen Lob vom Abwehrstrategen nicht zu kurz: "Das waren die besten 45 Minuten der Saison, hat Spaß gemacht." Etwas nüchterner klang die Analyse von Trainer Michael Schneider, der von einem "gelungenen" Abend sprach. "Die Jungs haben ihre Sache ordentlich gemacht."
Vor allem gingen die Delitzscher diesmal nach der fixen 7:1-Führung (10.) nicht vom Gas, zimmerten immer weiter an ihrem Kunstwerk. Damit versöhnten sie auch den Coach, der schon 20 Minuten vor Schluss mit fröhlichen Wechselspielchen beginnen konnte, notorischen Bankdrückern mit reichlich Einsatzzeit ein Lächeln aufs Gesicht zauberte. Kamenz war mit dem auf volle Pulle gestellten Turbo-Aggregat des NHV schlicht überfordert, die vor der Saison und dem Spiel hochgehandelte Truppe trat wie ein potenzieller Absteiger auf. Vielleicht waren aber auch nur die Hausherren zu gut. Diese Form sie nach Möglichkeit unter Schutzatmosphäre verpacken und konservieren. Denn in den letzten beiden Partien des Jahres warten wegweisende Kracher. Am kommenden Sonntag gastiert der NHV in Cunewalde, ehe am 7.Dezember das ultimative Spitzenspiel in Zwickau den Adventskranz zum Abfackeln bringt. Der erste Fanbus ist übrigens schon ausverkauft. Qualität generiert eben doch manchmal Quote. Vielleicht kommt sogar Jacob Schlichter mit, was recht praktisch wäre. Schließlich sagt der Trainer: "Ihn können wir eigentlich nicht ersetzen."
Johannes David, Leipziger Volkszeitung vom 18.November 2013

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Sonntag, 10. November 2013

HSG Neudorf/Döbeln - NHV 24:24 (13:12)

NHV kommt in Döbeln der erste Punkt abhanden

Die böse Sieben hat mal wieder ihr teuflisches Werk vollbracht: Am siebten Spieltag der Handball-Sachsenliga ist den Herren des NHV Concordia Delitzsch erstmals ein Punkt abhanden gekommen. Bei Kellerkind HSG Neudorf/Döbeln reichte es nur zu einem 24:24 (12:13)-Unentschieden.
Die Gäste übertrafen sich einmal mehr im Auslassen bester Gelegenheiten und wähnten sich doch auf der Siegerstraße. Eine Viertelstunde vor Schluss führte der Primus noch mit 23:20, schien sich zum Sieg zu quälen. Doch dann ging es drunter und drüber. Georg Mendisch flog nach seiner dritten Zeitstrafe vom Parkett, fortan mussten die Concorden ohne gelernten Kreisläufer auskommen. Eine von vielen seltsamen Schiedsrichterentscheidungen. "Was die Schiris gepfiffen haben, ging gar nicht", sagte NHV-Trainer Michael Schneider. Wohlgemerkt: "Auf beiden Seiten."
Da sich also die lausige Leistung der Pfeiffenmänner demzufolge ausglich, konnte man die Ursachen des müden Auftritts immerhin bei sich suchen. Delitzsch fehlten mit Matthias Strehle und Marcel Ulrich zudem zwei wichtige Pfeiler. "Ich sage seit Wochen, dass wir keine Übermannschaft sind. Und wenn dann noch der ein oder andere neben den Schuhen steht, wird es nun einmal eng", erklärte Schneider. Klitzekleiner Trost: In der Tabelle bleiben die Delitzscher mit einem Punkt Vorsprung auf Zwickau auf Platz eins. Der Auftritt in Döbeln dürfte aber allen Beteiligten noch einmal klargemacht haben, dass es nichts wird mit einem Spaziergang in die mitteldeutsche Oberliga. Gleichwohl weiß auch Schneider: Wir haben es selbst in der Hand, müssen bloß unsere Spiele gewinnen." Zum Beispiel das am Sonnabend zu Hause gegen Kamenz.
Johannes David, Leipziger Volkszeitung vom 12.November 2013

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Samstag, 2. November 2013

NHV - EHV Aue II 29:27 (16:13)

Die Dramakönige bleiben unbefleckt

Die Herren des NHV Concordia Delitzsch bleiben Tabellenführer und Drama-Könige der Handball-Sachsenliga. Am Samstagabend quälten sie sich ersatzgeschwächt unnötig lange zu einem 29:27 (16:13)-Erfolg gegen den EHV Aue II. Dazu erlebten die Zuschauer im wieder ordentlich gefüllten Becker-Schächtelchen eine womöglich einmalige Rückkehr.
Für entspannte, souveräne Handball-Abende vor heimischem Publikum hat der NHV offenbar nichts übrig. Schon zur Pause hätten die Hausherren locker mit sieben, acht Toren führen können. Selbst mit dem 25:19 eine Viertelstunde vor Schluss war das Kapitel Aue längst nicht vor der Zeit geschlossen, "weil wir viel zu viele freie Würfe vergeben haben", wie Toptorjäger Jan Jungandreas selbstkritisch feststellte. "Ich kann alleine 15 Tore machen, aber die leichten Dinger treffe ich zurzeit irgendwie nicht."
Mit dieser Problematik stand er allerdings nicht alleine da. Auch seine Kollegen überboten sich phasenweise im Auslassen bester Gelegenheiten - und hielten die EHV-Reserve dadurch im Spiel. Concordia-Trainer Michael Schneider breitete den Mantel des Schutzes über die Seinen. "Aue hat auch gute Torhüter. Und: Wenn bei uns vier Mann fehlen, wird es schwer über 60 Minuten die Qualität zu halten." Ohne die Herren Ulrich, Bönke, Groeschel und Henoch erinnerte die NHV-Bank an trostlose Zeiten. Und doch wieder nicht. Denn völlig überraschend nahm ein junger Mann Platz, den im Vorfeld nun wirklich niemand auf der Rechnung hatte. Jacob Schlichter streifte zum ersten Mal seit Mitte April das himmelblaue Leibchen über. "Eine kurzfristige Entscheidung. Mal sehen, ob wir ihn brauchen", erklärte Schneider vor dem Anpfiff. Er sollte sein Ass aus dem Ärmel zücken. Wenn auch sehr spät. Lange Zeit sah es so aus, als hätte Schlichter sich auch auf die Zuschauertribüne setzen können. Erst in Minute 50 betrat der fidele Linksaußen das Parkett - und durfte die Nerven zergliedernde Schlussphase in vollen Zügen bis zum finalen Horn genießen. Wobei sich der Genuss wohl nur den masochistisch Veranlagten erschloss. Plötzlich begannen die Hausherren eine geschmacklose Fehlerkette aufzufädeln. Die junge Mannschaft aus Aue nahm sich der Geschenke an und war zwei Minuten vor dem Ende bis auf ein Tor dran.
Schlichter, der zuvor nur zweimal mittrainiert hatte, blieb auch in dieser heiklen Phase auf dem Parkett und wunderte sich selbst darüber: "Das war riskant. Wenn es in die Hose geht, hätte ich mir selbst große Vorwürfe gemacht." Ging glücklicherweise nichts ins Höschen, weil das Tor von Kapitän Marcus Leuendorf zum 29:27 das letzte der Partie bleiben sollte. Somit bleibt auch das Delitzscher Punktekonto weiter unbefleckt und die Erkenntnis: Den ersten Platz verteidigen die Concorden mit allem, was sie haben. Aber in Zukunft wohl wieder ohne Jacob Schlichter.
"Es war superschön für mich. Ich habe gemerkt, wie sehr ich es auch vermisst habe", sagte der nach dem Abpfiff. Gut möglich, dass die zehnminütige Rückkehr der endgültige Abschied des 26-Jährigen aus Delitzsch war. Im Dezember entscheidet sich seine berufliche Zukunft, die mit großer Wahrscheinlichkeit weit ab vom Lober liegt. Einen erinnerungswürdigen Abend hat er auf jeden Fall nochmal erlebt.
Johannes David, Leipziger Volkszeitung vom 4.November 2013

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Samstag, 26. Oktober 2013

NHV - TSV 1862 Radeburg 24:19 (9:10)

Die Stunde des Nachwuchs-Hexers

Helden werden bekanntlich in dunklen Stunden geboren. Wenn die Hoffnung schwindet, der Glaube an den Sieg schon fast versiegt ist. Am Samstagabend gab Max Neuhäuser den Desperado, bewahrte den NHV Concordia Delitzsch vor einer Blamage gegen Aufsteiger TSV Radeburg. Erst dank seiner Paraden kam der NHV überhaupt ins Spiel, gewann letzlich 24:19 (9:10) und behielt Platz eins der Handball-Sachsenliga.
In der Schlussminute erhoben sich die Fans, zollten ihren Jungs stehende Ovationen. Das Seltsame an der Szenerie: Es waren die gut 60 Schlachtenbummler aus Radeburg, die ihre Mannschaft feierten - wie schon in der kompletten zweiten Halbzeit, eigentlich im gesamten Spiel. Mit der großartig-verwegenen Schar im Rücken lieferten die Gäste über lange Zeit ein großes Spiel - bis die Kräfte schwanden.
Die Delitzscher wussten sehr wohl, dass sie an diesem Tag vieles schuldig geblieben waren, anfangs nicht neben den Schuhen, sondern praktisch außerhalb der Halle standen. "Wir haben heute nicht unser bestes Tennis gezeigt", bekannte Kapitän Marcus Leuendorf anschließend. Das hätte womöglich auch Boris Becker bestätigt, wenn der nicht gerade schwer damit beschäftigt wäre, sein eigenes Denkmal einzureißen. Ivo Doberenz sah in den fehlenden Kaffeevorräten am Samstagabend einen Grund für das Trauerspiel: "Wir waren nicht ausgeschlafen genug und haben dafür die Quittung bekommen." Auf den Punkt brachte es schließlich der Alt-Internationale Shinn Uematsu: "Scheiß Spiel!"
Das traf ganz besonders auf die ersten 20 Minuten zu. Radeburg deckte aggressiv. Die Hausherren hatten mit solch einer rüden Behandlung offenbar nicht gerechnet, wollten die Partie wohl schmerzfrei nach Hause schaukeln. Und mussten überascht feststellen, dass man so niemanden in dieser Liga beikommt. Beim Stand von 4:10 gingen bei Jesus Christus zahlreiche Stoßgebete ein. Nur einer blieb angeblich cool. "Im Spiel zweifelt man nicht", sagte Concordia-Trainer Michael Schneider hinterher. Obwohl er vorher phasenweise durchaus verzweifelt dreingeblickt hatte. Nunja, das waren womöglich Psychotricks.
Jedenfalls versuchte der Coach alles, das drohende Unheil abzuwenden, brachte frisches Blut. Aber erst die Hereinnahme von Max Neuhäuser brachte die Wende. Der Nachwuchs-Hexer schraubte sein Gehäuse zu, blieb lange Zeit einer der wenigen Lichtblicke im Delitzscher Spiel und erklärte die feine Leistung auf ganz eigene Weise: "Ich kam rein und hab' gehofft, dass ich gut reinkomme." Und er kam sogar prächtig rein, blieb elf Minuten am Stück ohne Gegentor, was seine Kollegen am anderen Ende des Parketts nutzten, um zur Aufholjagd zu blasen. Dazu gesellten sich einige glückliche Schiedsrichter-Entscheidungen, wie das Leben so spielt an der Tabellenspitze.
Locker zum Sieg flanierte der NHV im zweiten Durchgang freilich nicht. Allein vier vergebene Siebenmeter und etliche Zwei-Minuten-Strafen hätten manch andere Mannschaft aus der Umlaufbahn geworfen. "Aber unsere Fitness lässt zu, dass wir auch in Unterzahl stabil sind", sagte Schneider. Einer der wenigen Lichtblicke dieser Zangengeburt.
Johannes David, Leipziger Volkszeitung vom 28.Oktober 2013

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Sonntag, 13. Oktober 2013

SV Plauen-Oberlosa - NHV 21:24 (8:11)

Unter Druck funktioniert's

Die Plauener Handball-Festung ist gefallen. Nach 31 Monaten Unbesiegbarkeit zwingen jene Gesichter den bärenstarken Sachsenliga-Aufsteiger in die Knie, die anno dazumal schon das Kunststück vollbracht hatten. Ulrich, Jungandreas & Co alias der NHV Delitzsch gewinnt am Sonnabend die Abwehrschlacht 24:21 (11:8) gegen SV Plauen-Oberlosa. Die Loberstädter, fein eingehüllt in der weißen Weste, bleiben damit unangefochten Spitzenreiter der Sachsenliga.
"Angenehm ist das nicht", sagt NHV-Trainer Michael Schneider, "aber wir müssen mit dem Druck umgehen können, wenn wir aufsteigen wollen." Gleich 625 laut krakeelende Hälse heizten am Sonnabend in der Festung Kurt-Helbig-Sporthalle in Plauen den Kessel an, darunter auch gut 70 Delitzscher. Schließlich haben die Teams der Sachsenliga per Dekret bestimmt, wer als Favourit gebrandmarkt wird. Den "Schwarzen Peter" nennt es Schneider. Und mit dem scheint der Trainer ganz gut umgehen zu können. Nach vier Spielen bleibt das NHV-Nest weiter blitzeblank. Kuckuckseier sind auch nirgendwo zu finden, blaue Wunder bleiben aus. Und so frohlockt der Coach, wie schon vor der Partie, äußerst gelassen, spricht von einer geschlossenen Mannschaftsleistung und verabschiedet sich in den wohlverdienten Sonntag. "Wir haben das cool und sicher runtergespielt", zwitschert der NHV-(Meister?)-Koch.
Es ist die von ihm prognostizierte Abwehrschlacht gewesen. "Das beweist allein der Halbzeitstand", stimmt Rico Michel, Teammanager des Plauen-Oberlosa ein, "sehr bissig und agressiv." Mit lediglich 19 Toren Magerkost für jene, die ein Schützenfest erwartet hatten. "Aber eine klasse Auszeichnung für die Torhüter auf beiden Seiten", singt Michel weiter, "die Delitzscher waren dann in den entscheidenden Momenten einfach cleverer, routinierter." Dabei fallen immer wieder die Namen Ulrich, Jungandreas, Leuendorf und Uematsu. "Shin ist ein unheimlich spielstarker Mann, der in den entscheidenden Phasen die Ruhe behält. Gerade, weil wir keinen richtigen Rückraum-Shooter haben", lobt NHV-Coach Schneider.
Den roten Faden, die konsequente Deckungsarbeit, ließen die Delitzscher das komplette Spiel nicht aus den Händen gleiten. Zeitweise zogen sie sogar auf fünf Treffer davon. "Da können wir den Sack zumachen", findet der Trainer dann doch noch ein Haar im Süppchen, "unsere Kontermöglichkeiten haben wir da aber nicht genutzt." Selbst eine doppelte Unterzahl sollte den Kessel nicht zum Überschwappen bringen. Im Gegenteil, der Druck scheint den NHV in eine solide Gussform zu pressen.
Womit wir wieder am Anfang wären. "Fünf, sechs Monate müssen wir das aushalten", prognostiziert Schneider. Bekanntermaßen entstehen nur unter Druck Diamanten. Und manch ein Spieler hat schon das gewisse Alter dazu.
Alexander Bley, Leipziger Volkszeitung vom 14.Oktober 2013

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