Freitag, 19. Juni 2015

Concordia Delitzsch: Pokal-Verzicht für das große Ziel Aufstieg

Bei den Handballern des NHV Concordia Delitzsch ist das erste Highlight der neuen Saison schon wieder Geschichte. Das traditionelle Fußballspiel "Jung" gegen "Alt" anlässlich des Trainingsauftaktes entschieden die Junioren knapp für sich.
Malte Unkells Führungstreffer ließ Youngster Niels Stolzenburg das 2:0 folgen. Danny Trodler blieb anschließend nur noch der Ehrentreffer zum 2:1. Dass das Tor der "Senioren" phasenweise dem sprichwörtlichen Scheunentor glich, mag daran gelegen haben, dass der für das NHV-Tor verpflichtete Routinier Gabor Pulay noch im Urlaub weilt und erst in der nächsten Woche zur Mannschaft stoßen wird.
Zu Trainingsbeginn schwor Christian Hornig das Team im Beisein der meisten Vorstände sowie einer Abordnung des Fanclubs "Loberhaie" mit eindringlichen Worten auf die neue Saison ein und hieß die Neuzugänge mit allerlei Leckereien aus der ortsansässigen Schokoladenfabrik willkommen. Obwohl die Dickmacher allesamt unangerührt blieben, übernahm Co-Trainer Martin Möhle anschließend die Aufgabe, dem fröhlichen Fußballspiel eine weitaus weniger freudvolle Trainingseinheit in der Artur-Becker-Halle folgen zu lassen, die ebenso kraftraubend wie scheißtreibend daher kam. Möhle sagte grinsend: "Richtig intensiv wird es erst am Montag."
Sichtlich gut getan hat die Wettkampfpause all jenen Spielern, die sich zuvor monatelang mit langwierigen Verletzungen herumplagten. Sowohl Marcel Ulrich und Ivo Doberenz als auch Topscorer Jan Jungandreas sind wieder fit und bereit für die großen Aufgaben der kommenden zehn Monate. Selbst Oldie Jens Groeschel, der in der vergangenen Saison wegen hartnäckiger Beschwerden kein einziges Spiel absolviert hatte, will es noch einmal wissen.
Cheftrainer Michael Schneider steht zu seiner unlängst getätigten klaren Aussage. Sein Ziel für die neue Saison heißt Aufstieg - ohne Wenn und Aber. Da die sportlichen Verantwortungsträger des NHV sich der Schwere der anstehenden Aufgaben bewusst sind, hat man sich entschlossen, in dieser Saison auf die Teilnahme am Sachsenpokal zu verzichten und alles dem Sachsenliga-Erfolg unterzuordnen. Zwar winkt dem Pokalsieger eine Teilnahme am lukrativen DHB-Pokal, diese Chance wird allerdings erkauft mit unzähligen Stunden in engen Kleinbussen, vor allem aber vermeidbaren Verletzungsrisiken.
Das erste Punktspiel am 12.September im Delitzscher Kultur- und Sportzentrum ist gleich ein echter Knaller - es geht gegen den Aufstiegskontrahenten Radeburg. Ein Highlight der Vorbereitung dürfte das Spiel gegen den vom langjährigen Concordia-Coach Uwe Jungandreas trainierten Drittligisten Dessau sein. Die Partie Jungandreas (Junior) gegen Jungandreas (Senior) findet am 1.August (11 Uhr) in Dessau statt.
Jens Teresniak, Leipziger Volkszeitung vom 19.Juni 2015

Mittwoch, 17. Juni 2015

Ex-Bundesliga-Hüter Steve Müller hängt Handballschuhe an den Nagel

Rückblende: Es ist Sommer 2013 und der NHV Concordia Delitzsch hat als Vizemeister der Sachsenliga gerade denkbar knapp den Aufstieg in die Oberliga verpasst. Beim neuen Versuch in der darauffolgenden Saison soll eine Neuverpflichtung helfen, deren Name in Delitzscher Handballkreisen noch mit glorreichen Bundesligazeiten in Verbindung gebracht wird: Torhüter Steve Müller.
Der großgewachsene Hoffnungsträger hatte einst als Siebenjähriger in der Delitzscher E-Jugend das Handball-Einmaleins erlernt und durchlief sämtliche Concordia-Nachwuchsmannschaften, mit denen er nicht nur etliche überregionale Meisterschaften feierte, sondern es schließlich sogar in den Kader der deutschen Juniorennationalmannschaft schaffte.
Auch als Concordia Delitzsch 2005/06 völlig überraschend (und sportlich wie strukturell überfordert) eine Saison lang in der 1.Bundesliga spielte, war Steve Müller dabei und so kam auch der erst 17-jährige Steve Müller zu einigen Einsätzen in der stärksten Handball-Liga der Welt. Nach einem Gastspiel beim Leipziger Regionalligisten SG LVB gehörte Müller von 2007 bis zum insolvenzbedingten Ende der "alten" Concordia 2010 drei Jahre lang zum Zweitliga-Kader, hatte aber immer wieder mit langwierigen verletzungsbedingten Ausfällen (Kreuzbandriss) zu kämpfen. Zum Stammkeeper entwickelte sich der inzwischen 22-jährige dann bei Oberligist HSG Wolfen, wo er drei Jahre lang zwischen den Pfosten stand und zu einem der besten Torhüter der Liga avancierte.
Mit diesen Vorschusslorbeeren kehrte Steve Müller schließlich vor zwei Jahren nach Delitzsch zurück, um dem aufstiegswilligen NHV bei der Erreichung seiner ehrgeizigen Ziele zu unterstützen. Zwar wusste Müller immer mit souveränen Leistungen zu gefallen, letztlich schrammte der Sachsenligist aber auch in den folgenden beiden Jahren als Zweiter beziehungsweise Dritter mehr oder weniger knapp am ersehnten Aufstieg vorbei. Vielleicht wäre in dieser Saison mehr drin gewesen, allerdings brach sich Keeper Müller im Training Mitte März den Fuß und verpasste so die entscheidenden letzten sechs Saisonspiele, von denen dann auch zwei verloren gingen.
Im - jedenfalls für Handballtorhüter - vergleichsweise jugendliche Alter von gerade einmal 27 Jahren hängt Steve Müller nun schweren Herzens die Handballschuhe für immer an den Nagel, um sich neuen Herausforderungen zu widmen. Bis Ende Juli stehen noch Prüfungen beim Studium an, dann geht es mit Herzensdame Sandy auf die Malediven in den Urlaub.
 
Torwart Steve Müller wird beim heutigen Auftakttraining der Delitzscher Handball-Mannschaft nicht zwischen den Pfosten stehen - er hat seine Laufbahn beendet. Wir sprachen zum Abschied mit Müller, der durch den routinierten Rückkehrer Gabor Pulay ersetzt wird.
 
Warum beenden sie mit erst 27 Jahren ihre Karriere?
Dafür gibt es drei Gründe. Es war von Anfang an mein Plan, mich nach meinem Studium mit voller Kraft meiner beruflichen Karriere zu widmen. Außerdem habe ich gemerkt, dass mein Körper nach einigen Verletzungen und vielen Jahren intensiven Trainings die hohen Belastungen nicht mehr so problemlos verträgt. Und schließlich freue ich mich darauf, meine Zeit endlich frei einteilen zu können. Aber klar, irgendwie wird mir das auch alles fehlen. Zu meiner Entscheidung jedoch stehe ich, da ich ja nicht aus einer Laune heraus aufhöre.
 
Was würden Sie im Rückblick als persönliches Karriere-Highlight bezeichnen?
Damals hatte ich das noch gar nicht richtig realisieren können, aber die Einsätze in der ersten Liga waren natürlich etwas ganz Besonderes. Im Jugendbereich erinnere ich mich außerdem sehr gern an die Titelgewinne bei den Süddeutschen Meisterschaften.
 
Warum ist der NHV in der abgelaufenen Saison zum dritten Mal in Folge knapp am Aufstieg gescheitert?
Darauf gibt es keine kurze Antwort. Die Sachsenliga ist im Vergleich zu Sachsen-Anhalt und Thüringen extrem stark und deshalb ein echtes Nadelöhr auf dem Weg in die Oberliga. Erschwerend kommt hinzu, dass es in der Umgebung zahlreiche Vereine gibt, mit denen der NHV um gute Spieler konkurrieren muss. Außerdem wäre ein breiterer Kader sicherlich hilfreich gewesen, um die vielen Ausfälle besser kompensieren zu können. Hier würde eine zweite Männermannschaft gut tun. Vielleicht kann ja die neue A-Jugend in diese Rolle hineinwachsen. Letztlich soll das alles aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass leider immer wieder wichtige Vier-Punkte-Spiele gegen unmittelbare Aufstiegskonkurrenten unnötig verloren wurden.
Bericht und Interview Jens Teresniak, Leipziger Volkszeitung vom 17.Juni 2015

Montag, 15. Juni 2015

Concordia bläst mit Hüter Gabor Pulay zum Angriff

Im altehrwürdigen Oberen Bahnhof kamen die Mitglieder des Handball-Sachsenligisten NHV Concordia Delitzsch zu ihrer alljährigen Mitgliederversammlung zusammen und bekamen vom achtköpfigen Vorstand allerlei Erfreuliches zu hören.
Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Steffen Menzel führte als Versammlungsleiter durch den Freitagabend und die insgesamt dreizehn Tagesordnungspunkte. So erfuhr das Publikum, dass die Mitgliederzahlen auch in den letzten zwölf Monaten weiter zulegten. Finanziell ist der Verein zwar auch im fünften Jahr des Bestehens nicht auf Rosen gebettet, steht aber grundsolide da. Im sportlichen Bereich gab es in der Saison 2014/15 quer durch alle Altersklassen einiges zu feiern - gekrönt durch den jüngst errungenen Sachsenmeistertitel der weiblichen A-Jugend. Allerlei verdiente Mitglieder wurden für ihren unermüdlichen ehrenamtlichen Einsatz mit kleinen Aufmerksamkeiten gewürdigt, ehe schließlich die acht Vorstände mit Axel Schüler an der Spitze in bemerkenswertem Konsens einstimmig wiedergewählt wurden.
Auf hörbares Wohlwollen stieß die offizielle Verkündung, dass es beim NHV ab der neuen Saison nach zweijähriger Pause wieder eine Frauenmannschaft geben wird. Dies wurde möglich durch die Übernahme des Bezirksliga-Spielrechts der LSG Löbnitz.
Erfreuliche Neuigkeiten gab es auch im Zusammenhang mit der Sachsenliga-Männermannschaft. Vorstandsmitglied Christian Hornig vermeldete in seiner Rolle als Teammanager den Mitgliedern die bislang feststehenden Neuzugänge für die Saison 2015/16. Das ist zum einen Felix Randt (28), der einst im Juniorteam der "alten" Concordia auf Torejagd ging und zuletzt für Freiberg in der Oberliga die Knochen hinhielt. Läuft alles nach Plan, darf er das in der übernächsten Saison wieder tun - in blau-weiß versteht sich.
Auch der zweite Neuzugang hat Delitzscher Wurzeln. Der 18-jährige Niklas Prautzsch ist mit der A-Jugend des SC DHfK gerade sensationell Deutscher Meister geworden und will nun mit dem NHV die Sachsenmeisterschaft folgen lassen. Neuzugang Nummer 3 ist Thomas Grafe (27). Der frischgebackene Vater hat seinen Lebensmittelpunkt nach Leipzig verlegt und wechselt deshalb vom Ligakontrahenten Weinböhla nach Delitzsch. Nummer 4 im Bunde trägt schon seit Jahren das NHV-Trikot. Niels Stolzenburg (17) war in der vergangenen Saison noch Kapitän der Delitzscher B-Jugend. In der A-Jugend soll er diese Rolle auch in der neuen Saison wahrnehmen, daneben aber auch bei den Männern mittrainieren und Spielanteile sammeln.
Als schließlich zu fortgeschrittener Stunde der Name des fünften "Neuen" genannt wurde, brandete spontan Beifall auf. Ex-Bundesliga-Torhüter Gabor Pulay wird zur neuen Saison in das Delitzscher Tor zurückkehren. Der einstige Publikumsliebling feiert am heutigen Montag seien 45.Geburtstag. Dass das im Fall des ungarischen Haudegens nichts zu bedeuten hat, bewies er bis vor einem Jahr noch beim Zweitligisten DHfK und in der vergangenen Saison mit verlässlich starken Leistungen beim Sachsenliga-Kontrahenten Zwenkau.
In lockerer Runde fachsimpelten die NHV-Mitglieder anschließend noch gut zwei Stunden lang bei Freibier und Würstchen, stimmten sich voller Vorfreude auf die neue Saison und den Angriff auf einen Oberliga-Platz ein.
Jens Teresniak, Leipziger Volkszeitung vom 15.Juni 2015

Mittwoch, 27. Mai 2015

"Die schwerste Saison von allen"

NHV-Trainer Michael Schneider lässt eine Spielzeit voller Rückschläge Revue passieren.

Michael Schneider von Handball-Sachsenligist NHV Concordia Delitzsch blickt auf eine schwierige Saison zurück. Der „Vulkan am Spielfeldrand“ fordert mehr Demut aus dem Umfeld und will mit dem NHV ein letztes Mal nach der Meisterschaft greifen.

Herr Schneider, die vergangenen drei Sachsenliga-Spielzeiten endeten für den NHV zweimal als Zweiter und einmal als Dritter. Wie frustrierend ist es, den Aufstieg erneut verpasst zu haben? 
Klar ist es frustrierend, wenn man aufsteigen will, es aber wieder nicht geschafft hat. Aber das hatte auch seine Gründe. Deswegen sollte man einige Sachen relativieren und auch sehen, mit welcher Konstanz wir in den letzten Jahren oben mitgespielt haben.

Viele Verletzte, Abgänge mitten in der Saison – fühlt man sich als Trainer manchmal hilflos? 
Hilflos nicht, aber es war für uns die schwerste Sachsenliga-Saison von allen. Wir haben die wenigsten Fortschritte gemacht. Wir haben immer noch attraktiven Handball gespielt, konnten aber nicht das umsetzen, was wir wollten.

Sie als Trainer angesichts der praktisch permanent angespannten Personallage überhaupt noch eingreifen? 
Es gab schon ein paar Möglichkeiten. Wir haben im Training viel in Kleingruppen gearbeitet, das hat recht gut funktioniert. Aber das Grundspiel ist nun einmal auf sechs Mann ausgelegt, die harmonieren. Da konnten wir wenig machen.

Wieviele Probleme hat die verkürzte Sommerpause, wegen der am Ende sinnlosen Relegation, für die nun abgelaufene Saison bereitet? 
Sie war jedenfalls nicht förderlich. Die Regenerationszeit war definitiv zu kurz. Jan Jungandreas und Ivo Doberenz zum Beispiel konnten in der Vorbereitung kaum mittrainieren.

Wirkt vielleicht manchmal auch die traditionell große Erwartungshaltung im Umfeld hemmend auf die Mannschaft? 
Ich weiß nicht. Was ich weiß, ist, dass leicht eine Euphorie entsteht und viele denken, dass alles von alleine geht, es nie Rückschläge gibt. Dabei haben wir, nüchtern betrachtet, von den ersten fünf Mannschaften der Sachsenliga den mit Abstand kleinsten Etat.

Abgesehen von all den Problemen, gab es auch positive Überraschungen? 
Einzelne Spieler, wie Malte Unkell, haben den nächsten Schritt gemacht. Es ist schön zu sehen, wenn Leute etwas wollen und annehmen, was man predigt. Und wir haben auch gute Spiele abgeliefert. Selbst die Niederlage in Hoyerswerda zähle ich dazu.

Wenn einmal die Konkurrenz schwächelte,  konnte der NHV das nicht ausnutzen. Waren manche Pleiten auch Kopfsache? 
In ein, zwei Spielen war tatsächlich die Überzeugung, gewinnen zu können, nicht da. Manchmal waren wir geistig nicht auf der Höhe und manchmal haben einfach die Leistungen von Schiedsrichtern Spiele gegen uns entschieden.

Wir erklärt sich die Auswärtsschwäche? 
Das lässt sich nicht erklären. In dieser Saison mussten wir aber selbst zu Hause enorme Energie aufwenden, um zu gewinnen. Auswärts kam natürlich noch das gegnerische Publikum und manchmal schwache Schiedsrichter dazu. Insgesamt waren wir einfach nicht stabil genug.

Für viele kam es überraschend, dass Sie Ihren Vertrag schon während der Saison verlängert haben. Zwischendurch wirkten Sie sehr unzufrieden. 
Ich war auch angesäuert, weil ich gerne den nächsten Schritt machen wollte, um mich persönlich weiterzuentwickeln. In vielen Gesprächen mit dem Vorstand ist dann deutlich geworden, dass der Verein auch mehr Qualität in die Truppe kriegen will.

Wie man es dreht und wendet, das Ziel Aufstieg wurde verfehlt – kommt jetzt der große Umbruch? 
Den Umbruch wird es nicht geben. Wir konnten alle Leistungsträger halten. Es werden noch welche hinzukommen müssen. Schlüsselpositionen sind besetzt, wir brauchen nur punktuelle Verstärkungen.

Stehen schon Neuverpflichtungen fest? 
Namen kann ich noch nicht nennen, aber wir sind mit einigen in guten Gesprächen.

Machen Sie eigentlich eine Sommerpause, oder kann sich der Trainer das nicht erlauben? 
Eine richtige Pause mache ich nicht. Wenn man sagt, „die nächste Saison muss es sein“, dann wird nicht viel pausiert. Die Arbeit geht auf eine andere Art weiter als während der Saison. Die Vorbereitung wird vorbereitet, Trainingssegmente werden ausgearbeitet.

Verstehe ich das richtig: Wenn Sie in dieser Saison nicht den Aufstieg schaffen, war es das für Sie als Trainer beim NHV? 
Davon gehe ich aus.
Interview: Johannes David, Leipziger Volkszeitung vom 27.Mai 2015

Samstag, 9. Mai 2015

NHV - TSV 1862 Radeburg 32:29 (16:11)

Concorden feiern Handballfest zum Saisonabschluss

Die Saison in der Handball- Sachsenliga ist nun auch für den NHV Concordia Delitzsch zu Ende. Im Nachholspiel am Sonnabend gegen den TSV 1862 Radeburg gewannen die Gastgeber in der Artur- Becker-Halle mit 32:29 (16:11) und kletterten damit auf den dritten Platz der Tabelle. Quasi als Trostpflaster für eine ziemlich schwierige, vom Verletzungspech geprägte Saison bekam die Mannschaft die bronzene Medaille der Sachsenmeisterschaft umgehängt. "So gesehen haben wir sie wirklich verdient", sagte NHV-Trainer Michael Schneider. Man merkte ihm und auch den Spielern sehr wohl an, dass sie froh waren, zwar noch nicht am Ziel ihrer Träume sein, aber doch mit einem versöhnlichen Ergebnis die Saison abschließen zu können. Eigentlich hätte es vom Papier her eine Spitzenpartie werden können. Schließlich traf der Tabellenvierte auf den Dritten. Doch die ganz feine Handballkost wurde nicht kredenzt. Denn dazu gehören immer noch zwei Mannschaften. Den Jungs von Coach Michael Schneider war auf jeden Fall anzusehen, dass sie den Fans noch etwas aufbieten wollten. Die Radeburger gaben sich nicht mehr die Mühe, in Delitzsch noch etwas reißen zu wollen. Nachvollziehbar scheint es, denn mit dem Pokalsieg hatten sie den Erfolg der Saison bereits eingefahren. Bei Halbzeitstand von 16:11 für den NHV hatte man fast den Eindruck, die Gäste kommen gänzlich unter die Räder. Für sie hieß es eigentlich nur noch durchhalten, die effektiven 60 Minuten Spielzeit zu überstehen. Gäbe es für Passivität im Handball (außer der Ahndung des Zeitspiels) weitere Strafen, sie hätten sie wohl verdient. Ganz anders die Concorden, sie spielten so, wie man es in den vergangenen Heimspielen überwiegend gesehen hatte. Souverän, abgeklärt, aber manchmal auch mit etwas Übermut. Max Neuhäuser trug im NHV-Tor wesentlich dazu bei, dass die TSV-Spieler an ihrer Fähigkeit, Handball spielen zu können, zweifelten. Von einem Torwartkollegen musste sich das Team jetzt allerdings trennen. "Ich werde nicht mehr Handball spielen", sagte Steve Müller. Der 27-Jährige wird in diesem Jahr sein Studium beenden und möchte sich dann mit ganzer Kraft seiner neuen beruflichen Karriere widmen. Verabschiedet aus dem Team wurde auch Frank Bönke. Der NHV- Geschäftsstellenleiter gab in dieser Saison sein Comeback und half der Mannschaft in der größten Not. Das zeichnet den NHV Concordia Delitzsch aus: Wenn es drauf ankommt, stehen alle zusammen. Das anschließende Fest bei Freibier und vielen Gesprächen ließen sich die Fans auch nicht von Blitz und Donner vermiesen.
Ditmar Wohlgemuth, Leipziger Volkszeitung vom 11.Mai 2015